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Mein Teilzeit-Tagebuch

Humorvolle Geschichten

2015 60 Seiten

Leseprobe

Über dieses Buch:

Wie aus dem wahren Leben gegriffen! Wer kennt sie nicht: die berühmten Worte »Mal eben schnell und ganz nebenbei«? Heike Wanner erzählt authentisch und humorvoll aus dem Leben einer Teilzeit-Mutter. So wie ihr geht es Millionen von Frauen. Sie teilt sich ihre Zeit auf zwischen Konferenzraum und Kinderarzt, Schreibtisch und Sandkasten, Hochzeitstag und Haushaltsbuch. Und doch verliert sie nie ihren Humor – weder als Teilzeit-Mutter, noch als Teilzeit-Angestellte, als Teilzeit-Putzfrau, als Teilzeit-Vorleserin oder als Teilzeit-Ehefrau, wenn den Gatten der berühmt-berüchtigte Männerschnupfen ereilt.

Über die Autorin:

Heike Wanner, geboren in Dortmund, hat in Kempten (Allgäu) BWL studiert. Seit 2008 schreibt sie erfolgreich heitere Frauenromane. Sie arbeitet bei einer großen deutschen Airline und lebt heute mit ihrer Familie in der Nähe von Wiesbaden.

Die Autorin im Internet: www.heike-wanner.de


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Originalausgabe November 2015

Copyright © 2015 dotbooks GmbH, München

Alle Rechte vorbehalten. Das Werk darf – auch teilweise – nur mit Genehmigung des Verlages wiedergegeben werden.

Titelbildgestaltung: Maria Seidel, atelier-seidel.de

Titelbildabbildung: Thinkstockphoto/pinkpig

E-Book-Herstellung: Open Publishing GmbH

ISBN 978-3-95824-382-8

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Heike Wanner

Mein Teilzeit-Tagebuch

Humorvolle Geschichten

dotbooks.

Vorwort

Die deutsche Sprache kennt viele schöne Worte. Der Zusatz »Teilzeit« vor dem Bindestrich ist neuerdings einer meiner Lieblingsbegriffe. Ich mag diesen Ausdruck, weil er am treffendsten beschreibt, wie mein Leben und das von Millionen anderer Frauen funktioniert: Wir teilen unsere Zeit auf zwischen Konferenzraum und Kinderarzt, Schreibtisch und Sandkasten, Hochzeitstag und Haushaltsbuch.

Wenn ich mir so überlege, was ich alles »Teilzeit« mache, dann wundere ich mich, wie oft ich meine Zeit teilen kann und dass immer noch ein kleiner Rest für neue Aufgaben übrig bleibt.

Im Laufe eines Tages bin ich unter anderem Teilzeit-Mutter, Teilzeit-Angestellte, Teilzeit-Köchin, Teilzeit-Putzfrau, Teilzeit-Krankenschwester, Teilzeit-Streitschlichterin, Teilzeit-Tierpflegerin, Teilzeit-Vorleserin, Teilzeit-Freundin, Teilzeit-Trösterin und Teilzeit-Ehefrau, um nur einige meiner Funktionen zu nennen.

Was liegt da näher als das Schreiben eines Teilzeit-Tagebuches? Schließlich bin ich ja auch Teilzeit-Autorin, und manchmal erlebe ich Situationen, die bemerkenswert sind, zum Nachdenken anregen oder auch unfreiwillig komisch wirken.

Irgendwann in den letzten Monaten habe ich begonnen, diese Episoden aus meinem Teilzeit-Leben aufzuschreiben und daraus eine Art Tagebuch zu machen.

Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Lesen!

Die Spinne im Taxi

… über die Fähigkeit, mehrere Dinge auf einmal und möglichst ganz schnell zu erledigen

»Mama?«

Die Stimme meines Sohnes schallt vom Dachboden zu mir in den Keller.

Ich antworte nicht, denn ich würde ohnehin nicht verstehen, was er zu sagen hat. Die Waschmaschine schleudert lautstark vor sich hin, und im Hintergrund läuft das Radio.

»Mama!«

Der Schrei wird lauter, und der Ton dringender.

Jetzt habe ich zwei Möglichkeiten: Ich kann mich entweder taub stellen und darauf warten, dass sein Rufen immer schriller wird und er sich vielleicht heiser schreit. Aber die Chancen, dass er dann tatsächlich aufgibt, gehen gegen null.

Oder ich höre mir an, was er Dringendes zu sagen hat. Dazu muss ich allerdings mindestens ein Stockwerk höher steigen.

»Mama!«

Seufzend entscheide ich mich für die zweite Möglichkeit und laufe die Treppen ins Erdgeschoss hinauf.

Jetzt trennt uns nur noch der erste Stock.

»MMMMAAAAAAMMMMMMAAAAAA!!!!!«

Mir klingen die Ohren. »Was ist denn?«

»Kannst du mir mal schnell helfen?«

Ich wusste es!

Seit sich mein Leben in viele verschiedene Aufgaben geteilt hat, mache ich eigentlich alles nur noch »mal schnell«.

Ich backe mal schnell drei Geburtstagskuchen, putze mal schnell alle Dachfenster, telefoniere mal schnell mit meiner Freundin, rechne im Büro mal schnell das Budget für die nächsten drei Jahre aus und – wenn ich gar nichts Besseres zu tun habe – baue mal schnell das große LEGO-Raumschiff der Starwars-Sternenflotte zusammen.

Natürlich geht das alles nicht wirklich »mal schnell«, meistens bin ich mehrere Stunden beschäftigt. Aber der Ausdruck hat sich im Sprachgebrauch meiner Familie festgesetzt, und selbst mein Sohn erledigt jetzt alles nur noch »mal schnell«.

»Wobei soll ich denn helfen?«, rufe ich ins Dachgeschoss hinauf und klammere mich an die Hoffnung, dass es sich lediglich um ein verschwundenes Playmobil-Männchen handelt, bei dessen Suche ich helfen soll.

Aber so viel Glück habe ich heute nicht.

»Kannst du mal schnell auf die Spinne hier aufpassen? Ich muss dringend aufs Klo!«

»Spinne?« Das habe ich nun davon, dass ich meine Tierliebe an mein Kind vererbt habe!

»Ja«, bestätigt ebendieses Kind, als ich das Dachgeschoss erreiche. »Sie hat sich ein Netz unter dem Schaukelstuhl gebaut.«

»Aha.« Vielleicht sollte ich mal wieder – und natürlich auch »mal schnell« – hier oben eine Runde Staub wischen?

»Ich habe sie in mein Playmobil-Taxi gesperrt. Hier!« Er hält mir ein gelbes Spielzeugauto unter die Nase. Im Innern, auf dem Beifahrersitz, hockt tatsächlich eine dicke Spinne.

Vorsichtig stelle ich das Auto auf den Teppich zurück.

»Wusstest du, dass Spinnen acht Augen und acht Arme haben?«, fragt mein Sohn und verschwindet im Bad.

»Wirklich?« Ich hocke mich zu dem Taxi auf den Boden und betrachte die Spinne mit neuem Interesse.

Acht Augen und acht Arme – was für wunderbare Möglichkeiten tun sich da auf!

Wenn ich so ausgestattet wäre, dann müsste ich nichts mehr nur »mal schnell« erledigen. Ich könnte bequem und in aller Ruhe mehrere Dinge auf einmal tun: bügeln und ein neues Buch schreiben zum Beispiel, und dabei Hausaufgaben kontrollieren und meine Lieblings-Soap im Fernsehen ansehen. Und ich hätte immer noch ein Paar Arme und ein paar Augen frei, um meinen Mann zu begrüßen, wenn er aus dem Büro kommt.

Neidisch starre ich in das Innere des Taxis. Spinne müsste man sein!

»Wir haben gerade in der Schule gelernt, dass die meisten Spinnen viele hundert Eier auf einmal legen«, unterbricht mein Sohn meine Überlegungen, als er von der Toilette kommt.

Mein Blick huscht unter den Schaukelstuhl, wo die Reste eines großen Spinnennetzes hängen. Hat unser unfreiwilliger Taxi-Gast schon für Nachwuchs gesorgt?

Mein Sohn ist meinen Augen gefolgt. »Keine Sorge!«, beruhigt er mich. »Ich habe keine Eier gefunden. Es gibt nicht einmal die Leiche eines Männchens.«

»Welche Leiche?«, erkundige ich mich beunruhigt.

»Die meisten Weibchen töten das Männchen nach der Paarung und saugen es aus«, klärt er mich auf.

»Um dann allein mit mehreren hundert kleinen Spinnenbabys zu sein?« Augenblicklich wird mein Neid durch Mitleid ersetzt. Was nützen einer Spinnen-Mutter acht Augen und Arme, wenn sie gleich hundertfach gefordert wird? Ich vermute, sie muss noch viel mehr Dinge »mal schnell« erledigen, als ich das tue: Netze weben, Fliegen fressen und andere unappetitliche Tätigkeiten, die ich mir lieber gar nicht vorstellen will – schon gar nicht, wenn sie unter unserem Schaukelstuhl passieren.

»Weißt du was?« Ich hebe das Taxi vorsichtig hoch. »Wir bringen deine Spinne jetzt in unseren Garten und setzen sie unter dem Rosenbusch aus.«

»Okay.« Mein Sohn ist einverstanden, und zwei Minuten später hat die Spinne die erste Taxifahrt ihres Lebens überstanden.

Zur Belohnung für unsere gute Tat mache ich mir einen Kaffee und meinem Sohn einen Kakao. Wir genießen unsere Getränke im Garten, während im Keller immer noch die Waschmaschine läuft, der Rasen dringend gemäht werden müsste und auf meinem Schreibtisch die Steuererklärung vom letzten Jahr auf ihre Bearbeitung wartet.

Aber das hat jetzt erst einmal Zeit.

Zeit, die ich mir »mal schnell« nehme …

Männerfieber

… von Männern und ihren Krankheiten

Einmal im Jahr kommt mein Mann schon mittags nach Hause.

Auf mein besorgtes »Was ist los?« antwortet er nur knapp »Nichts« und macht sich dann auf die Suche nach dem Fieberthermometer.

Jetzt wird mir alles klar: Mein Mann fühlt sich krank, richtig krank. Er hustet ein paar Mal, schnäuzt sich geräuschvoll die Nase und legt sich stöhnend aufs Sofa. Das Fieberthermometer steigt auf besorgniserregende 37,2 Grad.

»Wusste ich es doch, ich habe Fieber«, seufzt er.

Ich setze mich neben ihn auf die Sofakante und fühle ihm die Stirn. Sie ist kühl. »37,2 Grad sind noch kein Fieber.«

»Doch.«

»Nein. 37,2 Grad habe ich öfters. Das ist noch nicht einmal erhöhte Temperatur.«

»Für eine Frau vielleicht«, ist seine pikierte Antwort. »Der Stoffwechsel eines Mannes arbeitet anders. Bei uns sind 37,2 Grad schon Fieber.«

Aha, jetzt bin ich mir sicher: Mein Mann hat gefährliches »Männerfieber«.

Die Symptome dieser Krankheit sind vielfältig: Sie reichen von gelegentlichem Husten über vereinzeltes Niesen bis hin zu noch seltenerer Heiserkeit. Im krassen Gegensatz dazu steht das schwere Krankheitsgefühl, das von Stunde zu Stunde schlimmer wird. Der Erkrankte liegt in den meisten Fällen ermattet auf dem Sofa herum und leidet lautstark vor sich hin.

»Kannst du mir eine Decke besorgen?«, fragt er mit schwacher Stimme.

Ich bringe ihm die blaue Wolldecke.

»Oben im Schlafzimmer liegen meine Kreuzworträtsel.« Er versucht ein schwaches Lächeln.

Als treu sorgende Ehefrau hole ich ihm auch noch seine Rätselzeitung.

»Ob ich wohl eine Wärmflasche haben könnte?«, erkundigt er sich, als ich wieder ins Zimmer komme.

»Aber sicher.« Vielleicht steigt seine Temperatur dann endlich auf fiebrige 37,5 Grad!

»Kannst du mir einen Kaffee kochen?«, bittet er mich schließlich, als er sich die Wärmflasche auf den Bauch legt.

»Kaffee ist aber gar nicht gut, wenn man erkältet ist.«

»Koffein ist ein altes Heilmittel, das schon die Äthiopier zur Erweiterung der Bronchien genutzt haben.«

»Du hast keine äthiopische Bronchitis!« Eigentlich hat er nicht einmal eine richtige Erkältung, doch diese Erkenntnis behalte ich lieber für mich. Ich will ihn ja nicht unnötig aufregen.

»Ich könnte aber eine äthiopische Bronchitis bekommen, wenn ich nicht rechtzeitig vorsorge.«

Also serviere ich ihm den gewünschten Kaffee und erwische ihn dabei, wie er seinen nackten Bauch betrachtet.

»Sieh mal hier! Ich glaube, ich kriege Ausschlag.« Neben seinem Bauchnabel ist eine winzige rote Stelle zu sehen.

Ich schüttele den Kopf. »Das ist kein Ausschlag, das ist nur ein Hitzepickel von der Wärmflasche.«

»Jede Windpocke fängt klein an.«

»Dann warten wir jetzt erst einmal ab, was sich da entwickelt. Du trinkst deinen Kaffee, und danach sehen wir weiter.«

Eine halbe Stunde später mickert die »Windpocke« immer noch einsam und allein an seinem Bauchnabel vor sich hin.

»Okay, es sind nicht die Windpocken«, gibt er zu. Dann weiten sich seine Augen vor Schreck. »Aber was ist, wenn es eine Zecke ist?«

Ich werfe noch einen Blick auf den Pickel. »Eine rot-weiße Zecke?«, frage ich zweifelnd.

»Es gibt bestimmt auch Albino-Zecken, oder nicht?«

Jetzt kann ich mir ein Grinsen nicht mehr verkneifen. »Nicht hier in Deutschland. Albino-Zecken gibt es nur in Äthiopien.«

Er wirft mir einen bösen Blick zu und steckt den Kopf in sein Rätselheft.

Seufzend räume ich seine gebrauchten Tempos weg und frage mich, wie ich die nächsten drei Tage überstehen soll – Männerfieber dauert nämlich in der Regel genau drei Tage.

Chancen auf eine schnelle Spontanheilung bietet nur die Aussicht auf ein spannendes Ereignis, das »Mann« nicht verpassen darf, so zum Beispiel ein verkaufsoffener Sonntag im Baumarkt oder das alles entscheidende Handballspiel in der Provinz-Oberliga.

Da aber bei uns solche aufregenden Abenteuer nicht in Sicht sind, stelle ich mich gedanklich schon mal auf drei anstrengende Tage ein.

Gerade will ich mir einen beruhigenden Kräutertee kochen, als mein Sohn von der Schule nach Hause kommt.

»Wieso ist Papa zu Hause?«, ist das Erste, was er fragt. Dann wirft er seinen Schulranzen in die Ecke, läuft ins Wohnzimmer und schlüpft zu seinem Vater unter die Decke.

»Bist du krank?«, will er wissen.

Mein Mann nickt und hustet anklagend. »Das sieht und hört man doch.«

»Husten?«

»Ja.«

»Schnupfen?«

Details

Seiten
60
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783958243828
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v310738
Schlagworte
eBooks Humor Mutter Hausfrau berufstätig Stress Esprit Lachen Kinder Gaby Hauptmann Kerstin Gier

Autor

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Titel: Mein Teilzeit-Tagebuch