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Das Geheimnis des Ketzers - Teil 5

Roman

2015 98 Seiten

Leseprobe

Über dieses Buch:

Spanien im 15. Jahrhundert – eine gefährliche Zeit für alle, die nach der Wahrheit suchen. Nach jahrelangen Bemühungen ist der Forscher Adam Quintero endlich am Ziel: Er kann die Existenz einer höheren Macht beweisen! Doch er ist sich sicher, bei dieser kann es sich nicht um Gott handeln … und diese frevelhafte Behauptung macht ihn zum verfolgten Ketzer.

Wird er es schaffen, dem grausamen Zorn der Kirche zu entkommen? Und hat die gefährliche Entdeckung womöglich sogar die Kraft, die Zukunft zu verändern?

Der spannender Thriller auf zwei Zeitebenen jetzt als fesselndes Serial: Band 5 von 8

Über den Autor:

Mattias Gerwald ist das Pseudonym des Erfolgsautors Berndt Schulz, dessen Kriminalreihe rund um den hessischen Ermittler Martin Velsmann ebenfalls bei dotbooks erscheint: Novembermord, Engelmord, Regenmord und Frühjahrsmord. Er lebt in Frankfurt am Main und in Nordhessen.

Unter dem Namen Mattias Gerwald veröffentlichte er historische Romane, in denen entweder eine außergewöhnliche Persönlichkeit oder ein ungewöhnliches historisches Ereignis im Mittelpunkt steht. Er gilt als Experte für die Geschichte der europäischen Mönchsritterorden.

Für die Tempelritter-Saga schrieb Mattias Gerwald folgende Bände:

Die Tempelritter-Saga – Band 5: Die Suche nach Vineta
Die Tempelritter-Saga – Band 8: Das Grabtuch Christi
Die Tempelritter-Saga – Band 9: Der Kreuzzug der Kinder
Die Tempelritter-Saga – Band 18: Das Grab des Heiligen
Die Tempelritter-Saga – Band 20: Die Stunde des Rächers
Die Tempelritter-Saga – Band 24: Die Säulen Salomons


***

Überarbeitete Neuausgabe Dezember 2015

Die überarbeiteten Neuausgaben der Romane »Das Geheimnis des Ketzers« von Mattias Gerwald, die bei dotbooks in acht Bänden erscheinen, beruhen auf dem Roman »Der Ketzer«, der erstmals 1998 bei Bastei-Verlag Gustav H. Lübbe GmbH & Co., Bergisch Gladbach, veröffentlicht wurde.

Copyright © der Originalausgabe 1998 bei Autor und Bastei-Verlag Gustav H. Lübbe GmbH & Co., Bergisch Gladbach

Copyright © der Neuausgabe 2015 dotbooks GmbH, München

Alle Rechte vorbehalten. Das Werk darf – auch teilweise – nur mit Genehmigung des Verlages wiedergegeben werden.

Titelbildgestaltung: Nele Schütz Design unter Verwendung des sog. Erpho-Kreuz aus der Ausstellung »Das Reich der Salier (1992)«

ISBN 978-3-95824-563-1

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Mattias Gerwald

Das Geheimnis des Ketzers – Band 5

Roman

dotbooks.

Die handelnden Personen:

1493

Adam Quintero, Arañador der katholischen Könige Spaniens

Eva, seine Frau

Ferdinand II., König von Aragon und Sizilien

Isabella, Königin von Kastilien

Luis de Santangel, Schatzmeister von Kastilien

Gabriel Sanchez, Schatzmeister von Aragon

Diego Lopez de Losa, Maler

Tomas de Torquemada, Großinquisitor

Abbo de Cuenca, Mönch des Hieronymiten-Ordens

Christophorus Columbus, Entdecker

Don Santiago, alter Müller in Aranjuez

Der Adelantado des Königs

Jerónimi, Gitano

Cesar de Cortez, Großmeister des Santiago-Ordens

Fray Antonio de Montesino, Mönch

Juan Pérez, Abt von La Rábida

Ferdinando, Portero der Alhambra

Matias, Hausbesorger

Moreno, Moslem

Don Ibn Amid, königlicher Beauftragter

Hidalgos, Folterknechte, Kardinäle, Priester, Padres, Meuchelmörder, Ermordete, Staatsbeamte, Wollhändler, Kaufleute, Flagellanten, Soldaten, Hieronymiten, Franziskaner, Benediktiner, Dominikaner, Conquistadoren, Päpste, Gitanos, Juden, Morisken, Mauren, Conversos, Ketzer, Santiagoritter, Tagelöhner, Bürger, Inquisitoren – und Kreuzspinnen.

1993

Eluard van Endles, deutscher Informatiker

Rita, seine Frau, Biologin

Alf Quint, Computerkünstler

Vera Quint, seine Frau, begabtes Medium

Aramov, Sibirjake

Baumeister, Spionageexperte

Dr. Ulert, Schweizer Astrophysiker

Dr. Scriba, Schweizer Astrophysiker

Dr. Kern, Deutscher Astrophysiker

Pater Marcellinus, Abt von Seligenthal

Agenten, Hotelbesitzer, Journalisten, Firmeninhaber, Wissenschaftler, Computerspezialisten, Gläubige, Ungläubige – und Kreuzspinnen.

5. Kapitel
Der Augenblick des Erschreckens

(Mitte April-1993 – Mitte April-1493)

»Du weißt, daß die Lichtstrahlen von den verschiedenen Körpern zurückgeworfen ein Bild geben und die Körper auf allen glänzenden Flächen, wie auf der Netzhaut des Auges, im Wasser und in den Spiegeln abbilden. Die Elementargeister haben diese flüchtigen Bilder zu fixieren gesucht.«

Tiphaigne de la Roche
(»Giphantie oder die Erdbeschreibung«)

Fehler

Etwas war im Gange. Er wußte nur nicht was. Alles war plötzlich anders. Endles probierte und probierte. Aber die Systeme behandelten ihn wie einen Fremden.

Er wußte genau, das war nicht möglich. Aber er fand den Fehler nicht. Es war, als stünde er mit dem Türschlüssel vor einem unbekannten Haus.

Erst einmal rief er Rita an. Es würde länger dauern, das wußte er. Die Computer weigerten sich, die Absprachen einzuhalten, und wo der Grund dafür lag, wollten sie ihm auch nicht sagen. Also fing er ganz von vorn an. Er schickte seinen Chef nach draußen und verbiß sich in die Informationen, die die Computer ihm ließen.

Endles setzte sich in Positur. Er fixierte die Anlage, als müsse er Eindruck auf sie machen, dann legte er los.

Zuerst ließ er das Anti-Virus-Programm auf die Rechner und Diskettenlaufwerke los. Er wußte, jederzeit, erst recht bei der Verwendung eines Modems, konnte ein Virus übertragen werden. Und ging er erstmal ins Internet, lauerten an jeder Windung Viren ohne Ende. Endles klapperte mit der Tastatur und ließ die aufwendigen Dateien Revue passieren. Dort saßen die Viren, wenn es welche gab, schlichen sich in den RAM-Sektor ein und griffen blitzschnell um sich. Sei konnten im Nu die Dateien verseuchen, sich in den Boot-Sektor fressen, Disketten schon am äußersten Rand zerstören; bereits das Laden verseuchter Disketten führte zur Übertragung. Während er hantierte, dachte Endles, daß der elektronische Virus sich eigentlich wie ein organischer Bazillus verhielt. Er konnte sich bestimmte Dateien, ja einzelne Daten aussuchen, auf die er sich, intelligent und bösartig, wie auf eine Beute stürzte. Die Dateien sind ein Dschungel, in dem Bestien hausen, dachte Endles, und die Datenbänke sind die Zivilisation, die es zu schützen gilt; sie sind die organisierte Vernunft, die gegen anarchische, archaische und animalische Lebensformen ums Überleben kämpft. Dafür waren die Informatiker da, die Operatoren, die nüchternen Fachleute.

Überrascht von seinen eigenen Gedanken hielt Endles inne. So hatte er noch nie gedacht. Die Gedanken waren plötzlich in seinem Kopf entstanden wie eine Leuchtschrift, die sich durch sein Bewußtsein zog.

Der Informatiker schüttelte den Kopf und konzentrierte sich wieder auf seinen Virus-Check. Nichts, kein Resultat, die Daten schienen sauber. Dann schaute er ins Programm der Datenverwaltung. Er holte sich die speziellen Dateien der Konzern-Software und unterzog sie einem Crash-Test – alles funktionierte. Er sortierte die sogenannten Jobs, die aus einzelnen Steps bestanden. Alles okay. Jetzt noch einmal die von den Jobs geschaffenen Dateien. Die Finger flogen über das Keyboard, Zahlen und Daten rutschten über den Bildschirm nach oben weg, blitzschnell erfaßte der Informatiker die Zeilenkolonnen. Er war so sehr auf die Software des Konzerns trainiert, daß er aus den Augenwinkeln jeden Leerraum sofort erfassen konnte; kein Satzzeichen entging seinem prüfenden Blick. Die Standard-Software war eigentlich in Ordnung. Warum war die zentrale Anlage abgestürzt?

Wo lag das Problem?

Endles überprüfte das Modem für die Datenübertragung in der Leitung. »Remote Connect« erschien; er betätigte die Eingabetaste, danach tippte er den Zugangsbefehl ein. Das Anmelden am Server dauerte einige Minuten, dann stand das Menü. Er gab seinen Namen und das Paßwort ein; es wurde akzeptiert, ebenso der Code für die Software. Nun ging er in das Verarbeitungsprogramm. Zunächst hatte er nur den Zugriff auf sein eigenes Programm, dann konnte er auch in die Bereiche der anderen Anwender hineingehen, konnte überprüfen, inwieweit dort gearbeitete wurde. Durch diese spezielle Ausrichtung der Software wurde vermieden, daß bei der Zusammenführung aller Anwendungsbereiche Daten gelöscht wurden. Das Programm wurde aufgebaut, er konnte hineingehen.

Jetzt stand ihm das CC-Mail offen, er konnte die bisher ungelesenen Nachrichten lesen. Meldungen aus der Datenstraße flimmerten ihm entgegen, Nachrichten ohne Gesicht und Stimme, geheimnisvoll nur für Amateure, aber in ihrer anonymen Kälte faszinierend auch für Power-User wie ihn. Endles las sich durch zwanzig Meldungen, es war jedoch kein Eingang darunter, der ihn interessiert hätte.

Oder doch?

Endles stutzte. Er ging eine Bildschirmseite zurück. Da war ein Satz gewesen, der ihn irritiert hatte. »Sie brauchen sich keine Gedanken zu machen …«

Woher kam dieser Text? Er scrollte durch die Absender-Codes. Kein Eintrag. Der Satz schwebte in der Luft wie ein Nordlicht am Polarhimmel. Es war ein Graffiti in der schwarzen Nacht des Computer-Universums. Er kam aus dem Irgendwoher, ohne Absender. »Na, egal«, murmelte Endles und machte weiter.

Endles näherte sich mit seinen Operationen dem Zentrum der Rechneranlage. Das war örtlich gesehen jener Raum mit einer Batterie von Bildschirmen, in dem kontrolliert wurde, ob der Hauptrechner oder die Verbindung zwischen den Nebenrechnern ordnungsgemäß arbeitete. Der Roboter, der die quadratischen Daten-Kassetten aus dem Archiv griff und in den Zentralrechner schob, erschien online. Da er mit einer Sonderkamera bewacht wurde, sah Endles ihn jetzt auf dem Bildschirm. Er arbeitete noch immer nicht. Endles sah sich den Roboter einen Augenblick lang nachdenklich an. Das gedrungene Ungetüm schien auf etwas zu lauern. Ach, Unsinn, dachte der Informatiker und klickte das Bild weg.

Endles kratzte sich das Gesicht, das plötzlich zu jucken begann. Was stimmte da nicht? Er kam nicht weiter. Unentschlossen begann er, Arbeitsaufträge nachzulesen und schlug Bedienungsanleitungen auf. Obwohl er alles auswendig herbeten konnte, was nicht zuletzt daran lag, daß er die umfangreichen Texte selbst verfaßt hatte, suchte er nach schriftlicher Hilfe.

Endles fand keine Hilfe. Er schaltete einen Nebenrechner ein und gab einen Befehl an die Zentrale durch, in der der Großrechner in einem abgeschlossenen, streng bewachten Bunker stand; »SAP vorübergehend stoppen lassen! Dringender Test!«

Er wartete ab. Nichts passierte. Er rief nochmal an. Wieder Schweigen. Endles war ratlos. Der Juckreiz breitete sich an seinem ganzen Körper aus.

Was konnte er tun? Zutritt zu den Programmen des Großrechners hatte ohnehin nur ein besonderer Operator, um die eingebauten Sicherungen machte der Konzern ein großes Geheimnis. Niemand durfte unberechtigt in die Programme sehen, geschweige denn, etwas hineinschreiben, das führte zum sofortigen Abbruch. Was war hier der Fall gewesen? Endles suchte. Der Abbruch hätte genau protokolliert werden müssen. Er fand jedoch kein solches Protokoll.

Aber genau das war undenkbar.

Endles überlegte. Was war mit dem Standard-Anwendungsprogramm los? Der Datenbank-Verbund war ein komplexes Phänomen; wenn eine Datenbank defekt war, fiel das ganze System aus. Es konnte passieren, daß die spezielle Software für die automatische Anhängigkeitssteuerung durcheinandergeriet. Die einzelnen Schritte, die aufeinander folgten, mußten strikt eingehalten werden; aktivierte jemand bestimmte Jobs, die nachts zu laufen hatten, schon am Tag, verhakte sich das gesamte System. Der kleinste Fehler, aus Ungeduld oder Gedankenlosigkeit, löste eine mittlere Katastrophe aus. Aber Endles fand den Fehler nicht.

Noch verfügte er über einige Möglichkeiten. Er kam auf die Idee, es könnten vielleicht die Software-Lizenzen nicht bezahlt worden sein. Ein banaler Vorgang, aber das hatte es schon einmal gegeben – ein Buchhalter hatte geschlafen und dem Konzern einen Produktionsverlust von drei Millionen Mark beschert. – Nein, alles bezahlt.

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