Lade Inhalt...

Jack Deveraux, Der Dämonenjäger - Erster Roman: Pforte der Finsternis

Roman

2015 57 Seiten

Leseprobe

Über dieses Buch:

Wenn die Schatten nach dir greifen … Nach dem tragischen Tod seines Vaters führt Jack Deveraux dessen alten, staubigen Buchladen weiter. Es ist ein ruhiges Leben ohne jede Aufregung – bis zu dem Tag, als eine überirdisch schöne Frau den Laden betritt. Sie verlangt nach einem besonderen Buch, einem Erbstück von Jacks Vater, das natürlich unverkäuflich ist. Und doch kann Jack nicht anders: Wie in Trance greift er nach dem wertvollen Stück. Im letzten Moment will seine Angestellte Emma dies verhindern – doch da zeigt die schöne Unbekannte ihr wahres Gesicht. Und ein Maul voller langer, spitzer Zähne …

Er ist jung. Er ist mutig. Und er ist auf der Jagd: Jack Deveraux – der Dämonenjäger. Begleiten Sie ihn und seine Assistentin Emma im Kampf gegen die Kreaturen der Finsternis!

Über die Autorin:

Xenia Jungwirth, geboren 1978 in Straubing, ist gelernte Mediendesignerin und war schon als Kind von Märchen und Mythen fasziniert. Während ihres Studiums der Kunstgeschichte entdeckte sie ihre Leidenschaft für das Schreiben. Reale und fantastische Elemente bilden die perfekte Mischung für ihre Geschichten: Der Leser soll in eine Welt eintauchen, die ihm vertraut ist – und doch ganz anders. Xenia Jungwirth arbeitet als freie Autorin. Sie ist verheiratet und lebt mit ihrem Mann und ihrem Sohn in der Nähe von München.

Die Reihe Jack Deveraux – Der Dämonenjäger umfasst folgende Einzelbände:

JACK DEVERAUX – DER DÄMONENJÄGER. Erster Roman: Pforte der Finsternis
JACK DEVERAUX – DER DÄMONENJÄGER. Zweiter Roman: Nachtalb
JACK DEVERAUX – DER DÄMONENJÄGER. Dritter Roman: Ravanas Herz
JACK DEVERAUX – DER DÄMONENJÄGER. Vierter Roman: Sirenengesang
JACK DEVERAUX – DER DÄMONENJÄGER. Fünfter Roman: Dunkle Flut
JACK DEVERAUX – DER DÄMONENJÄGER. Sechster Roman: Dämonendämmerung

Entdecken Sie spannende Abenteuer mit Jack Deveraux im Internet auf http://jackdeveraux.com/ und https://de-de.facebook.com/DerDaemonenjaeger

Bei dotbooks erschien bereits die sechsbändige Reihe Mystery Diaries.

***

Originalausgabe Oktober 2015

Copyright © 2015 dotbooks GmbH, München

Alle Rechte vorbehalten. Das Werk darf – auch teilweise – nur mit Genehmigung des Verlages wiedergegeben werden.

Redaktion: Haus der Sprache, Halle/Saale

Titelbildgestaltung: Nele Schütz Design unter Verwendung von shutterstock/Givaga

E-Book-Herstellung: Open Publishing GmbH

ISBN 978-3-95824-299-9

***

Wenn Ihnen dieser Roman gefallen hat, empfehlen wir Ihnen gerne weiteren Lesestoff aus unserem Programm. Schicken Sie einfach eine eMail mit dem Stichwort JACK DEVERAUX: Pforte der Finsternis an: lesetipp@dotbooks.de

Gerne informieren wir Sie über unsere aktuellen Neuerscheinungen und attraktive Preisaktionen – melden Sie sich einfach für unseren Newsletter an: http://www.dotbooks.de/newsletter.html

Besuchen Sie uns im Internet:

www.dotbooks.de

www.facebook.com/dotbooks

www.twitter.com/dotbooks_verlag

http://instagram.com/dotbooks

http://blog.dotbooks.de/

Xenia Jungwirth

JACK DEVERAUX
Der Dämonenjäger

Erster Roman: Pforte der Finsternis

dotbooks.

Kapitel 1

Ich stand vor dem Antiquariat und konnte es immer noch kaum glauben. »Deveraux’s Antique Books« stand da, in goldenen Buchstaben. Deveraux – der Nachname meines Vaters. Und auch meiner. So wie der Buchladen, den ich von ihm geerbt hatte.

Mein Vater war vor knapp sechs Wochen bei einem Unfall ums Leben gekommen, und ich war nach Cumberland gefahren, ein kleines verschlafenes Städtchen ein paar Meilen nördlich von Providence, Rhode Island. Jemand musste sich schließlich um den Nachlass kümmern.

Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet ich einmal einen Buchladen erben würde? Ich, Jack Deveraux, der mit Büchern überhaupt nichts am Hut hatte!

Mein Vater und ich waren schon immer recht unterschiedlich gewesen. Das heißt, soweit ich mich an ihn erinnern konnte. Er hatte uns verlassen, als ich elf Jahre alt war. Es hatte mein Mutter das Herz gebrochen. »Seine Arbeit war ihm wohl wichtiger als seine Familie«, hatte sie mir damals erklärt. Ich hatte das nicht verstanden, und um ehrlich zu sein, verstand ich es heute immer noch nicht. Aber vielleicht war das der Grund warum meine berufliche Karriere ein wenig … sagen wir mal, holprig verlief. Und dass ich jetzt vor diesem Buchladen stand, passte irgendwie dazu.

Ich schüttelte noch einmal den Kopf und betrat den Laden. Ein altes Glockenspiel kündigte mein Eintreten an, und keine zwei Sekunden später kam Emma aus dem Büro geeilt. Als sie sah, dass ich kein Kunde war, verfinsterte sich ihr Blick.

Ich seufzte und wusste, was jetzt gleich kam.

»Jack Deveraux!«, sagte sie empört und stemmte die Hände in die Hüften. »Du bist zu spät! Es ist zehn Uhr siebenunddreißig, und wir haben seit einer Stunde und siebenunddreißig Minuten geöffnet.«

Ihre braunen Augen funkelten wütend hinter ihrer Brille.

Emma war meine Angestellte, ich hatte sie sozusagen »mitgeerbt« und für das Antiquariat war sie wirklich ein Glücksgriff. Sie war ausgesprochen kompetent, konnte hervorragend mit den Kunden umgehen und machte mich eigentlich überflüssig. Ihr Alter war schwer zu schätzen, irgendetwas zwischen Zwanzig und Vierzig, und rein optisch passte sie um einiges besser in den verstaubten Laden als ich. Emmas Bibliothekarinnen-Styling, bestehend aus wahlweise Kostüm oder Hosenanzug, Brille und einer schrecklich seriösen Hochsteckfrisur, schrie förmlich »Bücherwurm«. Oder Gouvernante. Das war gar nicht so weit hergeholt, denn sobald ich auch nur eine Minute zu spät kam, machte sie mich darauf aufmerksam. Mit aller Deutlichkeit. Zugegeben, meistens war es nicht nur eine Minute, aber da ich nun mal der neue Besitzer des Ladens war, hatte ich eigentlich gedacht, es wäre mir überlassen, wann ich morgens hereinspazierte.

»Guten Morgen, Emma«, seufzte ich.

»Guten Morgen? Es ist fast Mittag!«

Ich konnte förmlich spüren, wie sich ihr wütender Blick in meinen Hinterkopf bohrte, als ich ohne weiteres Wort an ihr vorbeiging und das Büro meines Vaters – nein, mein Büro betrat.

Ich schloss die Tür hinter mir und atmete tief durch. Dann fiel mein Blick auf den Schreibtisch. Ein riesiger Stapel Bücher stand darauf, daneben lagen die Zeitung und ein paar Briefe. Und neben den Briefen eine Tasse mit Kaffee. Schwarz, mit zwei Löffeln Zucker. Ich schmunzelte. Emma war wirklich nicht so übel, wenn sie ihren allmorgendlichen Wutanfall erst mal hinter sich hatte.

Ich nahm die Tasse und trank. Der Kaffee war sogar noch warm. Ich sah die Briefe durch, und da mich keiner interessierte, nahm ich mir die Zeitung vor. Ich überflog die Schlagzeilen und wollte schon zum Sportteil blättern, als mich irgendetwas irritierte. Es war ein Artikel über eine Serie von Mordfällen, die vor ein paar Wochen in Rhode Island begonnen hatte. Drei Männer waren getötet worden. Das war zwar tragisch, aber nichts Ungewöhnliches. Was aber mein Interesse geweckt hatte, war die Tatsache, dass alle Opfer etwas mit Büchern zu tun gehabt hatten. Ein Bibliothekar, ein Historiker und Spezialist für alte Handschriften und der Besitzer eines Buchladens. Letzterer war sogar ungefähr in meinem Alter. »Was für ein merkwürdiger Zufall«, dachte ich und suchte dann die Ergebnisse des letzten Baseball-Spiels. Die Red Sox hatten schon wieder gewonnen. So ein Mist.

Es klopfte an der Tür. Durch die Milchglasscheibe konnte ich Emmas Umriss erkennen. »Jack?«, fragte sie und trat ein ohne mein Antwort abzuwarten.

»Die Red Sox haben schon wieder gewonnen«, sagte ich vorwurfsvoll.

»Eh … ja, das ist sehr schön. Aber hast du dich schon um die Bücher gekümmert?«

Sie sah auf den Schreibtisch.

»Offensichtlich nicht.«

Ich machte mich schon auf das nächste Donnerwetter gefasst, als das Glockenspiel der Eingangstür ertönte.

»Kundschaft«, flötete ich und grinste.

Emma warf mir einen wütenden Blick zu und verschwand in den Laden.

Ich lachte leise und schüttelte den Kopf. Sie hatte es nicht ganz leicht mit mir, das musste ich zugeben.

Ich nahm das oberste Buch vom Stapel und verdrehte die Augen. Eine Art Handbuch für Orchideenzüchter. Kein Wunder, dass der Besitzer es loswerden wollte. Es folgten ein Gedichtband in durchaus brauchbarem Zustand, ein philosophischer Schinken und ein Lexikon. Ich stutzte. Dieses Buch kam mir bekannt vor. Hatte ich es nicht schon einmal in der Hand gehabt? Es war recht klein und nicht besonders dick. Der Einband aus altem, braunem Leder roch ein bisschen modrig. Darauf stand in verblichenen Buchstaben »Enzyklopädie der Fauna und Flora der Neuen Welt«. Klang nicht gerade nach einem Bestseller.

Trotzdem öffnete ich es. Es schien wirklich sehr alt zu sein, ein paar der Seiten waren beschädigt und zerknittert. Die Schrift war sehr klein und schwer zu lesen. Ich strich mit der Hand über die Seite und plötzlich passierte irgendetwas. Das Buch wurde warm und vibrierte leicht! Gleichzeitig verblasste die Schrift und verschwand schließlich ganz. Stattdessen tauchten neue Buchstaben auf. Handgeschrieben. Dazu Zeichnungen und Skizzen. Mir stockte der Atem. Was zum …

»Jack? Kommst du bitte mal?«

Ich erschrak und klappte das Buch wieder zu. Das Vibrieren hörte auf, und der Einband wurde merklich kühler. Nur einen Augenblick später lag in meinen Händen ein ganz gewöhnliches, altes Buch. Hatte ich mir das gerade nur eingebildet?

»Eh … ja … ich komme!«, rief ich nach vorn und stand auf. Ich betrachtete noch einmal das Buch. Es sah ganz normal aus.

Dann verließ ich das Büro. Emma stand hinter dem Verkaufstresen und wirkte angespannt. Als ich den Kunden sah, wusste ich auch warum. Das war der merkwürdigste Mann, den ich je gesehen hatte. Er war groß und dünn, trug einen altmodischen Trenchcoat und einen Hut, wie sie in den 40er oder 50er Jahren modern gewesen waren. Die untere Hälfte seines Gesichtes war unter einem dicken Schal verborgen – und das bei mindestens 20 Grad Außentemperatur.

Na ja, vielleicht hatte er eine Erkältung.

Das bisschen Gesicht, das zwischen Hutkrempe und Schal hervorlugte, wirkte auch nicht gerade vertrauenserweckend: Kleine Augen, spitze Nase – er erinnerte mich an ein Nagetier. Eine … genau: Das Gesicht des Mannes erinnerte mich an der einer Ratte. Seine Haut war grobporig und vernarbt, und ich bildete mir ein, dass er nicht besonders gut roch. Jetzt sah er mich mit seinen Nageraugen an und verengte sie zu Schlitzen.

»Mr. Deveraux?«

Seine Stimme klang rau und heiser und machte ihn auch nicht sympathischer.

»Ja, ich bin Jack Deveraux. Wie kann ich Ihnen helfen?«

Ehrlich gesagt hatte ich überhaupt keine Lust ihm zu helfen, aber das konnte ich ihm ja schlecht ins Gesicht sagen.

»Der Gentleman sucht alte, seltene Bücher«, meldete sich Emma zu Wort und wandte sich dann wieder an den Vermummten: »Ich kann ja mal hinten im Büro schauen, ob dort etwas für Sie dabei ist.« Und schon drehte sie sich um und ging.

Danke Emma! Lass nur mich mit dem widerlichen Typen reden!, dachte ich und versuchte, nicht das Gesicht zu verziehen. »Für welche Bücher interessieren Sie sich denn genau?«, fragte ich und beschloss, diesen komischen Kerl so schnell wie möglich loszuwerden. Entweder mit oder ohne Buch!

»Wissen, Sie, Ihr Vater, er hatte immer ganz besondere Bücher«, setzte der Fremde an.

»Mein Vater ist tot«, unterbrach ich ihn.

»Jaja, sehr tragisch, ich habe davon gehört … jedenfalls: Ich suche etwas … ganz Besonderes

»Ein bisschen mehr Informationen wären schon hilfreich«, sagte ich kühl. Langsam ging er mir auf die Nerven. Ständig schaute er sich mit seinen Rattenaugen um, und diese vage Beschreibung von dem, was er suchte, brachte uns kein bisschen weiter.

Plötzlich drehte er sich zu mir um, beugte sich über den Tresen und sah mir direkt in die Augen. »Sie wissen doch, welches Buch ich meine, nicht wahr, Mr. Deveraux?«

Ich musste schlucken. Natürlich war mir das merkwürdige Buch, das ich vorhin entdeckt hatte, eingefallen. Aber das konnte dieser komische Kauz doch unmöglich wissen!

Er ließ mich nicht aus den Augen. Sein Blick bohrte sich förmlich in mein Hirn. Aber ich hielt ihm stand.

»Ich weiß nicht, wovon Sie sprechen«, entgegnete ich kühl. Mit seiner Psycho-Nummer konnte er vielleicht kleine Schulmädchen beindrucken!

»Sie können ja ein anderes Mal vorbei kommen, vielleicht haben wir dann, was Sie suchen.«

Er zögerte noch einen kurzen Augenblick, dann richtete er sich wieder auf. »Na schön, Mr. Deveraux. Ganz wie Sie meinen. Ich komme wieder.«

Ohne ein weiteres Wort verließ er den Laden.

Unwillkürlich atmete ich tief durch. Der Kerl hatte wirklich übel gerochen. Gottseidank war er weg.

Ich ging in mein Büro. Dort war Emma gerade dabei, das letzte der Bücher, die auf meinem Schreibtisch gelegen hatten, in eines der Regale einzusortieren. »Ist das stinkende Frettchen weg?«, fragte sie.

Ich musste grinsen. Offensichtlich hatten wir beiden genau den gleichen Gedanken gehabt.

»Aber Miss Lancaster, wie reden Sie denn von unseren Kunden?«, antwortete ich mit gespieltem Ernst und wedelte mit dem Zeigefinger.

Sie ging nicht auf den Scherz ein. »Das war kein … Kunde«, sagte sie nachdenklich. Sie war ein wenig blass.

»Emma, ist alles ok?«, fragte ich.

»Jaja, alles in Ordnung. Ich … ich hab noch zu tun.« Sie ging an mir vorbei und verließ das Büro.

Ich zuckte mit den Schultern. Naja, wenigstens hatte sie die Bücher weggeräumt. Hmm … allerdings auch das seltsame kleine Buch. Ich ging zu dem Regal, in dem die Lexika aufbewahrt wurden, und dank Emmas Ordnungssystem hatte ich es nach kurzem Suchen gefunden. Ich zog es aus dem Regal und steckte es in meine Jackentasche. Ich würde mich später damit beschäftigen. Jetzt brauchte ich erst mal eine frische Tasse Kaffee.

***

Der Rest des Tages verlief ziemlich unspektakulär. Bücherlieferungen, ein paar langweilige Kunden, noch mehr Bücher, noch mehr Kunden. Emma verabschiedete sich um acht, und auch ich packte meine Sachen zusammen. Mir rauchte der Schädel. Diese ganzen Listen und Regale und Bücher … Ich machte den Job jetzt gerade mal sechs Wochen und hatte eigentlich schon genug davon. Ach, zum Teufel! Arbeit machte nun mal keinen Spaß. Aber wenigstens war ich mein eigener Chef.

Ich schloss den Laden ab und war schon auf dem Heimweg, als mein Blick auf die gegenüberliegende Straßenseite fiel. In der kleinen Bar war ganz schön was los. Hörte sich an, als ob irgendeine Band spielte. Die Musik dröhnte nach draußen, begleitet vom Lachen der Gäste. Warum eigentlich nicht? Ich verschob meine Pläne, heute mal früher ins Bett zu gehen, um am nächsten Morgen Emmas Standpauke zu entgehen, und ging über die Straße.

Die Bar war gerammelt voll. Ich kämpfte mich zum Tresen vor und bestellte ein Bier. Lauter fröhliche Gesichter um mich herum. Die Band spielte nicht schlecht, aber trotzdem wollte bei mir nicht so recht gute Laune aufkommen. Ich dachte an meinen Vater. Schon merkwürdig, den ganzen Tag hatte ich nicht an ihn gedacht, und jetzt, wo ich mich entspannen wollte, fiel er mir plötzlich ein.

Ich erinnerte mich an die letzte Begegnung mit ihm. Es war vor ungefähr vier Jahren gewesen. Er hatte einfach vor meiner Tür gestanden. Ohne Ankündigung. Zehn Jahre lang hatte er sich nicht blicken lassen, und gerade einmal die obligatorischen Karten zu Weihnachten und zum Geburtstag geschickt – und dann war er plötzlich wieder aufgetaucht. Ich hatte ihn sofort erkannt. Trotz der langen Zeit, die wir uns nicht gesehen hatten. Er hatte müde ausgesehen – und natürlich älter.

»Hallo Jack. Ich muss mit dir reden.«

Was für eine Begrüßung. Unser Gespräch damals war nicht besonders gut gelaufen. Ich hatte ihm natürlich Vorwürfe gemacht, und er hatte mir keine der Fragen beantwortet, auf die ich wirklich gern eine Antwort gehabt hätte. Stattdessen hatte er mir nur irgendetwas von Pflicht und Tradition und weiß der Teufel nicht alles erzählt. Nichts davon hatte mich interessiert, ich wollte nur eines wissen: Warum verdammt nochmal hatte er Mom und mich verlassen?

Ich seufzte. Jetzt war er tot, und ich würde es nie erfahren.

Ich bestellte ein zweites Bier und wünschte, wir wären damals nicht im Streit auseinander gegangen. Wir hätten doch noch einmal miteinander reden können. Aber dafür war es nun zu spät. Stattdessen hatte ich nun diesen alten Buchladen am Hals … inklusive Emma.

Ich musste grinsen. Sie war eigentlich ganz okay. Ohne sie wäre ich im Laden aufgeschmissen, und die gelegentlichen Wutausbrüche waren auch eher unterhaltsam, als dass sie mich wirklich störten. Gut, sie könnte ein wenig entspannter sein, sehr viel entspannter sogar, und nicht so schrecklich pingelig. Vielleicht war sie sogar ganz lustig, wenn sie erst einmal ein wenig auftaute. »Stinkendes Frettchen« – das war doch ein Anfang. Hehe. Die gute Miss Lancaster … Es war das erste Mal, dass ich mir über sie Gedanken machte. Das lag bestimmt am Bier. Und an meinem Vater. Emma hatte die letzten Jahre für ihn gearbeitet, sie kannte ihn also besser als ich. Ich hatte sogar das Gefühl, dass sie vielleicht mehr gewesen war, als nur seine Angestellte. Immerhin hatte sie schwarz getragen, als ich sie vor anderthalb Monaten kennengelernt hatte. Trug man Trauer, wenn der Chef starb? Oder waren Emma und mein Vater womöglich mehr gewesen – ein Paar? Ich schüttelte mich, um die Bilder, die unweigerlich vor meinem geistigen Auge aufgetaucht waren, zu vertreiben und schaute mich in der Bar um.

Details

Seiten
57
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783958242999
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v309482
Schlagworte
eBooks Spannung Grusel Daemonen Daemonenjaeger altes Buch Familienerbe Sirene Kreaturen der Finsternis Hoellentor

Autor

Zurück

Titel: Jack Deveraux, Der Dämonenjäger - Erster Roman: Pforte der Finsternis