Lade Inhalt...

Jack Deveraux, Der Dämonenjäger - Dritter Roman: Ravanas Herz

Roman

2015 65 Seiten

Leseprobe

Über dieses Buch:

Wie rettest du dein Leben, wenn es keinen Fluchtweg gibt? Jack und seine Assistentin Emma sind auf dem Weg zu einer wichtigen Buchhändlertagung. Doch auf einmal bleibt das Auto stehen – und das, obwohl genügend Sprit im Tank ist. Ein freundlicher Mann bietet an, die beiden Gestrandeten ins nahegelegene Dorf mitzunehmen. Alles scheint friedlich – bis Jack ein Gespräch belauscht: Die Menschen hier beten einen Dämonenkönig an. Und der ist hungrig … nach frischem Blut! Jack und Emma müssen sofort von hier verschwinden – denn sie ahnen, wer die nächsten Opfer sein sollen!

Er ist jung. Er ist mutig. Und er ist auf der Jagd: Jack Deveraux – der Dämonenjäger. Begleiten Sie ihn und seine Assistentin Emma im Kampf gegen die Kreaturen der Finsternis!

Über die Autorin:

Xenia Jungwirth, geboren 1978 in Straubing, ist gelernte Mediendesignerin und war schon als Kind von Märchen und Mythen fasziniert. Während ihres Studiums der Kunstgeschichte entdeckte sie ihre Leidenschaft für das Schreiben. Reale und fantastische Elemente bilden die perfekte Mischung für ihre Geschichten: Der Leser soll in eine Welt eintauchen, die ihm vertraut ist – und doch ganz anders. Xenia Jungwirth arbeitet als freie Autorin. Sie ist verheiratet und lebt mit ihrem Mann und ihrem Sohn in der Nähe von München.

Die Reihe Jack Deveraux – Der Dämonenjäger umfasst folgende Einzelbände:

JACK DEVERAUX – DER DÄMONENJÄGER. Erster Roman: Pforte der Finsternis
JACK DEVERAUX – DER DÄMONENJÄGER. Zweiter Roman: Nachtalb
JACK DEVERAUX – DER DÄMONENJÄGER. Dritter Roman: Ravanas Herz
JACK DEVERAUX – DER DÄMONENJÄGER. Vierter Roman: Sirenengesang
JACK DEVERAUX – DER DÄMONENJÄGER. Fünfter Roman: Dunkle Flut
JACK DEVERAUX – DER DÄMONENJÄGER. Sechster Roman: Dämonendämmerung

Entdecken Sie spannende Abenteuer mit Jack Deveraux im Internet auf http://jackdeveraux.com/ und https://de-de.facebook.com/DerDaemonenjaeger

Bei dotbooks erschien bereits die sechsbändige Reihe Mystery Diaries.

***

Originalausgabe Oktober 2015

Copyright © 2015 dotbooks GmbH, München

Alle Rechte vorbehalten. Das Werk darf – auch teilweise – nur mit Genehmigung des Verlages wiedergegeben werden.

Redaktion: Haus der Sprache, Halle/Saale

Titelbildgestaltung: Nele Schütz Design unter Verwendung von shutterstock/Heartland Arts

E-Book-Herstellung: Open Publishing GmbH

ISBN 978-3-95824-301-9

***

Wenn Ihnen dieser Roman gefallen hat, empfehlen wir Ihnen gerne weiteren Lesestoff aus unserem Programm. Schicken Sie einfach eine eMail mit dem Stichwort JACK DEVERAUX: Ravanas Herz an: lesetipp@dotbooks.de

Gerne informieren wir Sie über unsere aktuellen Neuerscheinungen und attraktive Preisaktionen – melden Sie sich einfach für unseren Newsletter an: http://www.dotbooks.de/newsletter.html

Besuchen Sie uns im Internet:

www.dotbooks.de

www.facebook.com/dotbooks

www.twitter.com/dotbooks_verlag

http://instagram.com/dotbooks

http://blog.dotbooks.de/

Xenia Jungwirth

JACK DEVERAUX
Der Dämonenjäger

Dritter Roman: Ravanas Herz

dotbooks.

Kapitel 1

»Warum fahren wir gleich wieder stundenlang quer durch Maine?«, fragte ich Emma zum dritten Mal innerhalb der letzten Stunde. Wir saßen in meinem Wagen und fuhren schon seit einer halben Ewigkeit durch den wahnsinnig aufregenden Pine Tree State.

»Weil wir zu dieser wichtigen Tagung mit anderen renommierten Buchhändlern müssen«, belehrte mich Emma zum dritten Mal.

»So wichtig kann dieses komische Treffen gar nicht sein, sonst würde es nicht in Maine stattfinden.«

»Ach – wo würde es denn stattfinden?«, fragte Emma und verschränkte die Arme.

»In L.A. zum Beispiel. Oder New York. In einem großen Convention Center …«

»… und mit Messe-Bunnys«, ergänzte ich in Gedanken und grinste. Leider sahen das die anderen Buchhändler offensichtlich anders, denn wir waren ja auf dem Weg nach Portland, Maine. Und statt eines Messe-Bunnys begleitete mich Emma.

Sie hatte sich im Sitz zurückgelehnt und die Augen geschlossen. Ihre Finger spielten mit dem Anhänger ihrer Kette. Es war eine Art winziges Glasgefäß, das mit einer roten Flüssigkeit gefüllt war. Mein Vater hatte den Anhänger für Emma anfertigen lassen. Ein Geschenk. Keine »Liebesgabe« wie ich angenommen hatte, als ich die kleine Schatulle in den Sachen meines Vaters gefunden hatte.

Letzte Woche hatte ich ihr die Kette gegeben und Emma mehr oder weniger taktvoll nach ihrer Beziehung zu meinem Vater gefragt. Sie hatte gelacht und mir dann erklärt, dass sie und mein Vater lediglich gute Freunde gewesen wären. Sie hatte von irgendeinem »Problem« erzählt, bei dem mein Vater ihr geholfen hatte, und daraus hatte sich dann die Freundschaft zwischen den beiden entwickelt. Aber sie war nicht weiter ins Detail gegangen. Stattdessen hatte sie sich köstlich über meine Vermutung amüsiert.

Ich hatte die Szene im Büro wieder lebhaft vor Augen.

»Weißt du, Jack, eigentlich sollte ich ein bisschen beleidigt sein, dass du mir eine Affäre mit einem sechsundzwanzig Jahre älteren Mann zutraust.« Emma legte den Kopf zur Seite. »Obwohl dein Vater ein gutaussehender Mann war, das muss ich zugeben.« Sie grinste.

Ich rechnete kurz. »Du bist achtundzwanzig?«, fragte ich überrascht.

Emmas Grinsen verschwand augenblicklich, und sie kniff die Augen zusammen. »Ja … was dachtest du denn?«

Ich zuckte mit den Achseln. Emma war schwer zu schätzen, vor allem, wenn sie ihre Bibliothekarinnen-Uniform trug.

»Keine Ahnung … Sechsunddrei-«

Sie riss die Augen auf.

»Dreiund-«, setzte ich an.

Emma zog scharf die Luft ein, und spätestens jetzt hatte auch ich kapiert, dass ich in ein Fettnäpfchen getreten war. In ein ziemlich großes.

»Dreißig … höchstens!«, versuchte ich meinen Hals aus der Schlinge zu ziehen. Doch ein Blick in Emmas knallrotes Gesicht verriet: Es war zu spät.

»Sechsunddreißig?«, sagte sie heiser und stemmte die Hände in die Hüften.

»Dreißig … ich sagte dreißig. Höchstens …« Ich schluckte. Gratuliere Jack! Taktgefühl war ja schon immer deine größte Stärke!

Emmas Augen funkelten. Sie war wirklich sauer. Warum eigentlich? Ich hatte sie ein paar Jährchen älter geschätzt, das war doch nun wirklich nicht so schlimm! Trotzdem stellte ich mich vorsichtshalber hinter den Schreibtisch. Allerdings bezweifelte ich, dass achtzig Zentimeter Holz ausreichten, wenn sie erst mal richtig loslegte. Verdammt, wie kam ich da jetzt wieder raus?

»SECHSUNDDREISSIG?!« Emma hatte ihre Stimme wieder.

Ich überlegte fieberhaft, was ich sagen könnte, um die Wogen zu glätten, doch es fiel mir nichts ein.

Das Glockenspiel ertönte. Gottseidank, wer auch immer das sein mochte, er oder sie bekam einen fetten Rabatt!

»Kundschaft! Tut mir leid, ich muss gehen. Du sagst ja selber immer, man darf die Kunden nicht warten lassen!« Und damit hatte ich schleunigst das Büro verlassen, während Emma mit hochrotem Kopf hinter dem Schreibtisch gestanden hatte. Bei der Erinnerung an ihre heftige Reaktion musste ich lachen.

»Was ist so komisch?«, fragte Emma und löste ihren Blick von der unglaublich abwechslungsreichen Landschaft.

»Gar nichts«, antwortete ich und grinste. Ich würde mich hüten, das Thema noch einmal anzusprechen.

Emma seufzte. »Es ist doch wirklich unglaublich, was wir allein in den letzten Wochen alles erlebt haben. Eigentlich sollte man das aufschreiben.«

Ich schüttelte den Kopf. »Nein, danke. Ich hab’s nicht mit dem Schreiben.«

Sie sah mich amüsiert an. »Naja, du wärst nicht der erste Deveraux, der sich in einem Buch verewigt.«

»Wie meinst du das?«, fragte ich überrascht. Mein Vater als Schriftsteller? Das konnte ich mir nun wirklich nicht vorstellen.

»Du hast die Enzyklopädie noch nicht komplett gelesen?« Sie klang erstaunt und ein bisschen vorwurfsvoll.

Ich seufzte. »Nein, ich benutze sie als das, was sie ist: ein Nachschlagewerk. Im Gegensatz zu gewissen Leuten lese ich Lexika nicht wie Romane.«

Ich warf Emma einen vielsagenden Blick zu.

Sie überhörte meine Spitze.

»Jedenfalls, hättest du dir das Buch deiner Ahnen ein wenig genauer angesehen, dann hättest du festgestellt, dass der erste Autor ein gewisser Jacques-Louis Deveraux war. Und die anderen Einträge stammen auch von deinen Vorfahren. Einschließlich deines Vaters.«

»Echt?« Ich war überrascht. Bisher hatte ich immer gedacht, dass die »Enzyklopädie der Fauna und Flora der Unterwelt« eine Art Erbstück war, das von Generation zu Generation weitergegeben wurde. Auf die Idee, dass die Deverauxs sie selbst verfasst hatten, war ich nicht gekommen. Aber jetzt, wo ich darüber nachdachte … Ja, die Einträge in der Enzyklopädie waren tatsächlich in unterschiedlicher Schrift geschrieben.

»Du würdest eine uralte Tradition fortführen, wenn du auch etwas zu der Enzyklopädie beitragen würdest, Jacques Deveraux«, sagte Emma und lachte.

»Haha.«

Plötzlich wurde der Wagen langsamer. Ich schaute auf die Tankanzeige. Dreiviertel voll. Und keine der anderen Kontrolllampen zeigte ein Problem an.

»Was ist los?«, fragte Emma.

»Keine Ahnung, am Benzin liegt es nicht.«

Nach wenigen Metern blieb der Wagen schließlich stehen. Ich stieg aus und öffnete die Motorhaube. Hmm … mal sehen. Ich war kein ausgebildeter Mechaniker, kannte mich aber gut genug mit Autos aus um zu sehen, dass der Motor soweit in Ordnung war.

Ich hörte, wie Emma ausstieg. »Kann man es reparieren?«, fragte sie über meine Schulter.

»Nein.«

»Warum nicht?«

»Weil nichts kaputt ist.«

Sie steckte den Kopf zu mir unter die Motorhaube um sich selbst davon zu überzeugen. »Bist du sicher? Warum fährt der Wagen dann nicht?«

Ich richtete mich wieder auf.

»Keine Ahnung.«

»Und du kennst dich wirklich mit Autos aus?« Emma sah mich skeptisch an.

Ich klappte die Motorhaube wieder zu. »Ich habe ein knappes Jahr in der Werkstatt meines Patenonkels gearbeitet. Qualifikation genug?«

Sie zuckte mit den Schultern. »Schon gut … Und was machen wir jetzt?«

Ich holte mein Handy aus der Tasche. »Einen Abschleppwagen rufen.« Ich schaute auf das Display. Mist. Kein Empfang.

Emma kramte in ihrer Handtasche und fand ihr Telefon. »Meins geht auch nicht. Hier muss ein Funkloch sein.«

Ich seufzte. Das überraschte mich kein bisschen. Wir waren schließlich mitten im Nirgendwo. Und zu allem Überfluss wurde es bald dunkel. Der Wind frischte auf, und es wurde merklich kühler. Obwohl ich es besser wusste, versuchte ich es noch einmal mit dem Handy, aber natürlich hatte ich immer noch keinen Empfang.

Emma holte sich ihren Blazer aus dem Wagen, doch ihrem Gesicht nach zu urteilen, half er nicht wirklich gegen die Kälte. Sie schlang ihre Arme um sich und trat von einem Bein auf das andere. »Warum ist es plötzlich so kalt?«, fragte sie.

Ich zuckte mit den Schultern. Es war kühl, kälter als vorher, aber nicht wirklich kalt. Aber ich hatte ja auch meine Lederjacke. Warum haben Frauen eigentlich nie das Passende an? Immer frieren sie, oder die Füße tun ihnen weh …

»Ist das da hinten eine Ortschaft?« Emma hatte die Augen zusammengekniffen und deutete auf einen kleinen Hügel, ein paar Meilen von uns entfernt.

Tatsächlich. In der Ferne konnte man die Spitze eines Kirchturmes erkennen. »Hm. Das ist ein ganz schönes Stück. Aber wenn wir uns ranhalten, schaffen wir es, bevor es ganz dunkel ist.«

Ich ging zum Wagen und holte den Utgard-Dolch aus meiner Tasche. Seine gewellte Klinge glänzte und schimmerte. Ich rechnete zwar nicht damit, dass wir irgendwelchen Dämonen begegneten, aber nach alldem, was ich in der letzten Zeit erlebt hatte, konnte man nicht vorsichtig genug sein. Außerdem wollte ich ihn nicht im Auto zurücklassen. Ich steckte den Dolch in meine Jackentasche.

Emma hatte nur ihre Handtasche aus dem Wagen genommen. Sie fror noch immer.

»Hast du keine wärmere Jacke dabei?«

»Ich wusste ja nicht, dass wir wandern gehen würden.« Sie zitterte.

Ich seufzte. Das war genau das, was ich meinte: die falschen Klamotten an und dann frieren! Ich ließ Emma noch ein paar Schritte zittern, dann gab ich ihr meine Jacke.

Wir waren schon etwa eine Stunde an der Straße entlang gelaufen, als wir plötzlich ein Auto hinter uns hörten. Wir blieben stehen und winkten. Der Pickup kam näher, wurde dann langsamer und hielt schließlich neben uns.

»Na, ihr zwei? Kann ich euch vielleicht helfen?«

Der Fahrer war etwa um die vierzig. Er trug Arbeitskleidung und ein Cap, auf dem »Bonnie’s Diner« stand. Laut dem Namensschild an seiner Latzhose hieß er Roy. Sein Gesicht war ein wenig blass, aber das lag wohl am Licht der Abenddämmerung.

»Eh ja, wir haben eine Panne. Unser Wagen steht … irgendwo da hinten an der Straße.« Emma gestikulierte in die Richtung, aus der wir kamen.

Der Mann nickte. »Der blaue Ford? Ja, an dem bin ich vorbei gekommen.« Er deutete mit dem Kopf in Richtung des Hügels. »In Blackwater gibt es eine Werkstatt. Ich bin sowieso auf dem Weg dorthin. Soll ich euch mitnehmen?«

»Vielen Dank, das ist sehr nett von Ihnen!« Emma war sichtlich erleichtert. Sie öffnete die Wagentür und stieg ein.

»Danke«, sagte ich und setzte mich neben sie.

Endlich sitzen! Diesen Roy schickte der Himmel! Ich hatte nämlich keine Lust, hier ewig im Dunkeln rumzulaufen. Außerdem wurde es immer kühler, und da Emma immer noch meine Lederjacke anhatte, war ich froh, in einem halbwegs warmen Auto zu sitzen.

Emma hatte fast augenblicklich ein Gespräch mit Roy angefangen und fragte ihn über Blackwater aus. Ich hörte nicht zu. Es gab eine Werkstatt, mehr musste ich nicht wissen. Hauptsache, sie brachten dort den Ford wieder zum Laufen. Hmm. Oder vielleicht auch nicht. Wenn das Problem nicht sofort behoben werden konnte, verpassten wir die Tagung. Hehe. Eine klassische Win-Win-Situation. Ich verschränkte die Arme hinter dem Kopf, lehnte mich zurück und schloss die Augen.

Die Fahrt in dem Pickup zog sich länger hin als ich gedacht hatte. Gottseidank hatte Roy uns mitgenommen, zu Fuß hätten wir Blackwater nie vor Einbruch der Dunkelheit erreicht.

Es dämmerte bereits, als der Pickup die kleine Ortschaft erreichte. Blackwater erinnerte mich stark an Cumberland. Alte Häuser und absolut nichts los. Roy hielt vor einem besonders alten Gebäude. »Frank’s Garage« stand auf dem uralten verbeulten Schild, das windschief über der Tür hing. Ich seufzte. Wenn der Besitzer in einem ähnlichen Zustand wie seine Werkstatt war, konnten wir eine schnelle Reparatur des Wagens vergessen. Falls er die Ursache überhaupt fand.

»Hey, Frank!« Roy war ausgestiegen und brüllte durch die offen stehende Tür ins Innere der Werkstatt.

Ein alter Mann kam heraus, und ich seufzte noch einmal. Genau das hatte ich befürchtet. Der Typ sah noch schlimmer aus als das Schild!

Wir erzählten Frank von unserer Panne, und er versprach, unseren Wagen abzuschleppen.

»Aber nachdem, was du mir erzählt hast, kann es eine Weile dauern, bis ich rausgefunden habe, woran es liegt«, sagte der Alte und kratzte sich am Hinterkopf. »Und falls wir Ersatzteile brauchen, zieht sich das Ganze noch länger hin.«

»Oh … Aber das geht nicht. Wir müssen morgen Nachmittag in Newport sein. Wir haben dort einen wichtigen Termin.« Emma runzelte besorgt die Stirn.

»Tut mir leid, Mädchen, aber ihr werdet wohl oder übel erst mal hier bleiben müssen.« Frank zeigte ein Stück weiter die Straße hinunter. »Da vorn ist ein kleines Hotel, die haben bestimmt zwei Zimmer für euch.«

Emma hob eine Augenbraue. »Mister …?«

»Jones, Frank Jones.« Der Alte streckte ihr seine ölverschmierte rechte Hand entgegen.

Als Emma zögerte, wischte er sie sich an seinem Overall ab, was aber kein bisschen half. Seine Hand war jetzt sogar noch schmutziger als vorher.

»Eh … ja, also Mr. Jones«, sagte Emma und verschränkte die Arme vor der Brust. »Mein Name ist Emma Lancaster. Ich bin achtundzwanzig Jahre alt und mit Sicherheit kein Mädchen. Es wäre sehr freundlich von Ihnen, wenn Sie das in Ihrer Anrede berücksichtigen könnten.«

Frank sah sie an und blinzelte. Dann warf er den Kopf zurück und lachte schallend. »Haha! Weißt du was, Emma Lancaster, ich bin über vierzig Jahre älter als du. Also, aus meiner Sicht bist du ein Mädchen

Dann wandte er sich an mich. Er lachte immer noch.

»Du meine Güte, Junge, ist die immer so?«

Ich biss mir auf die Lippen und schaute schnell zu Boden, damit Emma nicht merkte, dass ich mir das Lachen kaum verkneifen konnte. Dieser Frank gefiel mir. Und Emma war einfach zu empfindlich was ihr Alter betraf. Zu alt mochte sie nicht, zu jung auch nicht. Warum waren Frauen nur so kompliziert?

Emma atmete ein paar Mal tief durch. Dann lächelte sie Frank freundlich an.

»Wie schnell können Sie den Wagen denn herholen, Mr. Jones?«

Frank grinste breit.

»Weil du’s bist, fahr ich sofort los … Mädchen

Er ging lachend zu seinem Abschleppwagen und fuhr davon.

»Das ist nicht lustig!«, beschwerte sich Emma bei mir.

»Doch, ist es.«

Sie holte ihr Handy aus ihrer Handtasche.

»So ein Mist, immer noch kein Empfang.«

Ich zuckte mit den Schultern.

»Wir sind hier im malerischen Maine, dem Staat der Kiefern und Funklöcher. Und wie ich hinzufügen darf: Du wolltest hierher.«

»Ich wollte nach Newport«, verbesserte sie mich.

»Im Gegensatz zu dir.«

Dann hob sie den Kopf und sah mich mit zusammengekniffenen Augen an.

»Jack Deveraux … du hast nicht zufällig irgendwas an dem Motor gedreht, nur um dich vor dem Treffen zu drücken?«

»Was? Nein, natürlich nicht!«

Aber die Idee war nicht schlecht, vielleicht konnte ich das bei der nächsten sterbenslangweiligen Veranstaltung so machen.

»Außerdem«, fügte ich in gespielt beleidigtem Ton hinzu,

»würde ich niemals Hand an meinen Wagen legen. Nicht einmal, um einem Haufen Bücher-Nerds am A… mitten im Nirgendwo zu entkommen.«

Emma fand das gar nicht lustig. Sie sah geknickt aus.

»Jetzt lass uns doch erst einmal abwarten. Vielleicht klappt es ja noch mit der Tagung. Wir sollten uns mal dieses Hotel anschauen«, versuchte ich sie zu aufzumuntern.

Sie seufzte.

»Na schön. Gehen wir.«

Das Hotel war sehr klein und sah schon von außen ziemlich altmodisch aus. Als wir die Lobby betraten, bestätigte sich mein erster Eindruck. Mein Geschmack war das definitiv nicht. Und es roch auch irgendwie merkwürdig, alt und modrig. Länger als unbedingt nötig wollte ich hier sicher nicht bleiben.

An der Rezeption stand eine kleine blonde Frau mit Namen Doris. Zumindest stand das auf dem Messingschildchen an ihrem Revers.

»Guten Abend, was kann ich für Sie tun?«, flötete sie und wandte sich an mich.

»Hallo, wir haben ein Autopanne und müssen wohl erst mal hier bleiben. Haben Sie noch Zimmer frei?«

Sie musterte Emma und mich kurz.

»Zwei Zimmer? Aber gern.«

Sie fischte zwei Zimmerschlüssel von einem Bord hinter sich, dann zeigte sie auf ein altes Gästebuch.

»Wenn Sie sich bitte hier eintragen würden.«

Ich schaute auf die vergilbten Seiten. Wow, das mit dem nostalgischen Ambiente nahmen die hier aber wirklich ernst. Mein Blick fiel auf den letzten Eintrag. Ein Mr. Shelby aus Arizona hatte am 18. Juni 1959 hier übernachtet. 1959? Das musste ein Scherz sein. Oder es war gewollt, damit alles »authentisch« wirkte. Blackwater war anscheinend noch merkwürdiger als Cumberland. Und bei uns gab es immerhin Dämonen.

Ich trug unsere Adressen ein, während Emma Doris nach einem Telefon fragte.

Details

Seiten
65
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783958243019
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v309484
Schlagworte
eBooks Spannung Grusel Daemonen Daemonenjaeger altes Buch Familienerbe Sekte Fuerst der Finsternis Geisterdorf Kreaturen der Finsternis Hoellentor

Autor

Zurück

Titel: Jack Deveraux, Der Dämonenjäger - Dritter Roman: Ravanas Herz