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Jack Deveraux, Der Dämonenjäger - Vierter Roman: Sirenengesang

Roman

2015 55 Seiten

Leseprobe

Über dieses Buch:

Du wirst niemals in Sicherheit sein … Seit ein paar Wochen ist es verdächtig ruhig – doch Jack Deveraux, Buchhändler und Dämonenjäger wider Willen, wagt es nicht, aufzuatmen. Er weiß, dass noch immer übernatürliche Kreaturen da draußen lauern. Und richtig: Etwas greift seine Assistentin Emma an und verwandelt ihre Wohnung in einen regelrechten Dschungel, mit Lianen, die alles in ihrem Würgegriff fesseln, was ihnen zu nahe kommt. Jack ahnt, dass nur eine dahinter stecken kann: Selina, eine Sirene, die grausame Rache üben will … 

Er ist jung. Er ist mutig. Und er ist auf der Jagd: Jack Deveraux – der Dämonenjäger. Begleiten Sie ihn und seine Assistentin Emma im Kampf gegen die Kreaturen der Finsternis!

Über die Autorin:

Xenia Jungwirth, geboren 1978 in Straubing, ist gelernte Mediendesignerin und war schon als Kind von Märchen und Mythen fasziniert. Während ihres Studiums der Kunstgeschichte entdeckte sie ihre Leidenschaft für das Schreiben. Reale und fantastische Elemente bilden die perfekte Mischung für ihre Geschichten: Der Leser soll in eine Welt eintauchen, die ihm vertraut ist – und doch ganz anders. Xenia Jungwirth arbeitet als freie Autorin. Sie ist verheiratet und lebt mit ihrem Mann und ihrem Sohn in der Nähe von München.

Die Reihe Jack Deveraux – Der Dämonenjäger umfasst folgende Einzelbände:

JACK DEVERAUX – DER DÄMONENJÄGER. Erster Roman: Pforte der Finsternis
JACK DEVERAUX – DER DÄMONENJÄGER. Zweiter Roman: Nachtalb
JACK DEVERAUX – DER DÄMONENJÄGER. Dritter Roman: Ravanas Herz
JACK DEVERAUX – DER DÄMONENJÄGER. Vierter Roman: Sirenengesang
JACK DEVERAUX – DER DÄMONENJÄGER. Fünfter Roman: Dunkle Flut
JACK DEVERAUX – DER DÄMONENJÄGER. Sechster Roman: Dämonendämmerung

Entdecken Sie spannende Abenteuer mit Jack Deveraux im Internet auf http://jackdeveraux.com/ und https://de-de.facebook.com/DerDaemonenjaeger

Bei dotbooks erschien bereits die sechsbändige Reihe Mystery Diaries.

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Originalausgabe Oktober 2015

Copyright © 2015 dotbooks GmbH, München

Alle Rechte vorbehalten. Das Werk darf – auch teilweise – nur mit Genehmigung des Verlages wiedergegeben werden.

Redaktion: Haus der Sprache, Halle/Saale

Titelbildgestaltung: Nele Schütz Design unter Verwendung von Nejron Photo / shutterstock

E-Book-Herstellung: Open Publishing GmbH

ISBN 978-3-95824-323-1

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Xenia Jungwirth

JACK DEVERAUX
Der Dämonenjäger

Vierter Roman: Sirenengesang

dotbooks.

Kapitel 1

Die hübsche Brünette lächelte und legte den Kopf schief.

»Nun, Mr. Deveraux … und was ist dieses Buch hier jetzt wert?«

Ich hatte keine Ahnung. Das war fast ein wenig traurig, denn immerhin gehörte mir ein Antiquariat, und wenn ich nicht gerade Dämonen jagte, war es mein Job, mich mit alten Büchern zu beschäftigen. Aber ich hatte den Laden ja nur geerbt und mir das Ganze nicht ausgesucht. Und wozu hatte ich eine Mitarbeiterin wie Emma? Sie würde ungefähr eine Zehntelsekunde auf den Titel des Buches schauen und dann sofort die gewünschten Daten ausspucken. Wenn sie denn hier wäre.

War sie aber nicht. Also hatte ich das Vergnügen, mich um diese ausgesprochen attraktive Kundin zu kümmern. Hehe.

»Miss … Kramer, richtig?«

Sie nickte.

Ich warf einen zweiten Blick auf das Buch. Ein uralter, merkwürdig riechender Schinken über Heilpflanzen. Beim Durchblättern hatte ich einige kunstvoll aussehende Zeichnungen entdeckt. Das Ding könnte also tatsächlich etwas wert sein.

»Wissen Sie, mit Büchern ist es wie mit Gemälden. Man muss sie sich schon genau ansehen, wenn man ihren Wert richtig einschätzen will. Würde es Ihnen etwas ausmachen, wenn Sie mir das gute Stück für eine Weile überlassen? Haben Sie vielleicht eine Telefonnummer, unter der ich Sie erreichen kann, sobald ich Näheres weiß?«

Ich lächelte sie an. Ha, gut gemacht, Jack! Sobald Emma wieder da war, konnte sie sich mit dem alten Wälzer beschäftigen. In zehn Sekunden hätte ich die Nummer der Brünetten und könnte mich mit ihr beschäftigen.

Miss Kramer nickte andächtig.

»Aber sicher. Bitte, Sie können es sich in Ruhe ansehen.«

Sie holte eine Visitenkarte aus der Tasche. »Hier ist meine Telefonnummer.«

Auf der Karte stand »Lucy Kramer«. Ein hübscher Name.

»Ich schreibe Ihnen auch noch meine Handynummer auf. Nur für den Fall …« Sie lächelte mich vielsagend an und notierte die Nummer.

Ich steckte die Karte ein und bedankte mich. »Auf Wiedersehen, Miss Kramer. Ich melde mich dann bei Ihnen.«

»Hoffentlich muss ich nicht allzu lange warten.« Sie strich sich eine Haarsträhne hinter das Ohr und schwang ihre Hüften betont langsam Richtung Ausgang.

Mit lautem Gebimmel des Glockenspiels ging die Tür auf, und Emma betrat den Laden. Sie nickte Lucy kurz zu und hielt ihr die Tür auf.

»Hallo Lucy.«

Emmas Gesichtsausdruck ließ darauf schließen, dass sie die hübsche Miss Kramer weit weniger nett fand als ich.

»Emma«, grüßte Lucy genauso frostig. Dann schenkte sie mir ein letztes strahlendes Lächeln und verließ den Buchladen.

»Was wollte die denn?« Emma stellte ihre Tasche auf den Tresen.

»Mir ihre Telefonnummer geben«, antwortete ich und grinste.

Emma hob die Augenbrauen.

»Und ein Buch verkaufen.« Ich deutete auf den Heilpflanzen-Wälzer.

»Dieses Buch?«, fragte Emma und blätterte ein wenig darin herum.

»Ja, es sei denn sie hatte noch eines in der Tasche, das sie mir aber nicht zeigen wollte, weil du sie verscheucht hast.«

Emma hob den Kopf. Eigentlich hätte sie wegen meiner uncharmanten Bemerkung zumindest ein bisschen verärgert sein müssen. Stattdessen sah sie mich amüsiert an, und ihre Mundwinkel zuckten. »Ach Jack«, seufzte sie und konnte sich das Grinsen nicht mehr verkneifen.

Ich sah sie mit zusammengekniffenen Augen an. »Was ist so komisch?«

»Gar nichts. Eigentlich ist es sogar eher traurig …«

»Eh … Wie bitte?«

Sie blätterte auf die erste Seite des Buches und drehte es zu mir um. Jemand hatte eine Widmung darauf geschrieben. Für Walter. Alles Gute zum Geburtstag, in Liebe Silvia.

Ich zuckte mit den Schultern. »Ja, und?«

Emma genoss es sichtlich, dass sie wieder einmal mehr wusste als ich. »Weißt du, Jack, du kannst dich nicht immer nur auf dein gutes Aussehen verlassen. Wenn man ein Geschäft führt, sollte man wenigstens über ein gewisses Grundwissen verfügen.«

»Du findest also, dass ich gut aussehe?« Ich grinste.

Sie verdrehte die Augen. »Und auch wenn du noch nicht sehr lange hier in Cumberland wohnst«, fuhr sie fort ohne auf meine Frage einzugehen, »könntest du dir zumindest die Menschen in deiner nächsten Umgebung merken.«

Jetzt verstand ich überhaupt nichts mehr. »Wovon zum Teufel sprichst du?« Langsam wurde ich ungeduldig.

»Das hier ist ein ziemlich wertvolles Buch über Heilpflanzen. Ein sehr spezielles Exemplar, für das sich wahrscheinlich nur jemand interessiert, der – sagen wir mal – beruflich damit zu tun hat. Ein Apotheker vielleicht?«

Ich nickte, auch wenn ich immer noch nicht den leisesten Schimmer hatte, worauf sie hinaus wollte. »Ja, wenn du das sagst.«

Sie tippte auf das Buch. »Es gehört Walter Kramer.«

Der Name sagte mir überhaupt nichts. Außer, dass dieser Walter vermutlich mit der hübschen Lucy verwandt war.

Emma schüttelte den Kopf und seufzte erneut. »Ihm gehört die Apotheke, in der du dir immer deine Medizin holst, wenn dich ein Dämon in die Finger bekommen hat.«

»Aha.« Auch diese Information brachte mich kaum weiter. Ich hatte das Bild eines großen, breitschultrigen Mannes vor Augen, der mich jedes Mal süffisant anlächelte, wenn er mir die Tüten mit den Cremes und Verbänden gab.

»Ja und? Dann ist das eben sein Buch!«

»Silvia, Walters Frau, hat es gekauft.« Sie tippte erneut auf die Widmung.

»Ich kann lesen«, knurrte ich.

»Und zwar hier. Sie hat es hier bei uns gekauft. Letzten Monat.«

Ich hatte den Buchladen vor gut acht Wochen geerbt. Man konnte sich also ausrechnen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit war, dass ich ihr diesen blöden Wälzer verkauft hatte.

»Vielleicht hilft das deinem Gedächtnis auf die Sprünge: Sie hat dich fast umarmt, als sie es gefunden hat. Ihr Mann hat jahrelang nach dieser Ausgabe gesucht!« Emma grinste triumphierend.

Verdammt. Langsam erinnerte ich mich. Mrs. Kramer musste die kleine blonde Frau sein, die wie ein Gummiball auf und ab gehüpft war, als sie das Buch entdeckt hatte. Lucy sah ihrer Mutter wirklich kein bisschen ähnlich.

»Vielleicht wollte Mr. Kramer das Buch jetzt nicht mehr und hat seine Tochter geschickt um es loszuwerden?«, startete ich einen Versuch, um nicht ganz so blöd da zu stehen.

»Ein Buch, nach dem er mehr als fünfzehn Jahren gesucht hat?« Emma klappte es zu und drückte es mir in die Hand. »Ich glaube kaum. Und deswegen, Jack Deveraux, wirst du dich jetzt zu Mr. Kramer aufmachen und ihm das Buch zurückgeben. Den Weg kennst du ja … oder?«

***

Zehn Minuten später stand ich in Kramers Apotheke. Vor mir wartete eine Frau auf ihr Medikament. Walter Kramer kam aus dem hinteren Bereich des Raumes und reichte der Kundin eine Papiertüte. »Sie wissen ja Bescheid, Mrs. Olsen. Und wenn Sie Fragen haben, rufen Sie mich einfach an.«

Die Frau verabschiedete sich und ging. Ich rückte bis zum Tresen vor und legte das Buch auf den Tisch. Mr. Kramer verzog sein Gesicht zu einem süffisanten Lächeln und musterte mich. »Na, Mr. Deveraux, was haben wir denn diesmal? Hundebisse oder Kratzer von einer Wildkatze?«

Haha, was für ein witziger Kerl! Sollte er sich doch besser um sein Töchterchen kümmern, das ihm hinter seinem Rücken wertvolle Bücher klaute und diese zu Geld machen wollte! Bei diesem Gedanken musste ich unwillkürlich grinsen. »Nein danke, Mr. Kramer, heute habe ich etwas für Sie

Walter Kramer runzelte die Stirn. »Für mich?«, fragte er misstrauisch. Dann fiel sein Blick auf das Buch. »Ist das meins?«

Er schlug die Seite mit der Widmung auf. »Wo… woher haben Sie das?«

»Ihre Tochter war heute bei mir und wollte es verkaufen.« antwortete ich.

»Lucy?«

Ich nickte.

»Aber … warum sollte sie das tun? Sie weiß doch, wie sehr ich daran hänge …« Walter Kramer sah so geknickt aus, er konnte einem fast leidtun. Aber nur fast.

»Jedenfalls, hier haben Sie ihr Buch wieder. Auf Wiedersehen, Mr. Kramer.«

Für mich war die Sache damit erledigt, aber Mr. Kramer rief mich zurück. »Mr. Deveraux, warten Sie!«

Ich drehte mich um. »Ja?«

»Sie!«

»Eh … wie bitte?«

»Sie haben Lucy beschwatzt, dass sie Ihnen das Buch bringt!« Sein Gesicht nahm eine ungesunde rote Farbe an.

»Das ist doch nicht Ihr Ernst!«

»Oh doch, Mr. Deveraux! Sie haben meine Tochter irgendwie … bezirzt … was weiß denn ich!« Er verengte die Augen zu schmalen Schlitzen. »Irgendetwas stimmt mit Ihnen nicht. Jedes Mal wenn Sie hier auftauchen, erzählen Sie mir eine fadenscheinige Geschichte woher Ihre Verletzungen kommen. Ich möchte gar nicht wissen – mir nicht einmal vorstellen – was Sie so treiben! Bis jetzt habe ich darüber hinweg gesehen, aber wenn Sie Lucy …«

Den Rest seines Wortschwalls hörte ich nicht mehr. Stattdessen surrte etwas in meinen Ohren. Ein feiner, leiser Ton. Mr. Kramers Tirade und alle anderen Geräusche verschwanden wie unter einem Schleier. Es war merkwürdig. Und dann hörte ich ein Flüstern. Leise, aber doch klar und deutlich.

»Jack …«, raunte die Stimme.

Ich kannte sie. Aber woher?

»Jack …«, wiederholte sie, und dann lüftete sich der Schleier wieder.

Ich nahm meine Umgebung wieder ganz normal wahr.

»… die Finger von meiner Tochter!«, zischte Mr. Kramer wütend.

Ich war verwirrt. Was war das gerade gewesen? Diese Stimme – woher kannte ich sie denn nur?

Ich schüttelte den Kopf.

Nein, ich kam nicht drauf.

»Oh doch, Mr. Deveraux, Sie werden Lucy in Ruhe lassen!« Walter Kramer war jetzt richtig laut geworden. Ein Kunde, der gerade zur Tür herein ging, machte erschrocken kehrt und verschwand eilig wieder nach draußen.

Ich fasste mir an die Stirn und konzentrierte mich auf den wütenden Apotheker. »Hören Sie, Mr. Kramer. Ich bin weder an Ihrer Tochter noch an Ihrem Buch interessiert. Ich hielt es für anständig, Ihnen den Band zurück zu bringen, nachdem Sie ja offensichtlich so sehr daran hängen. Was auch immer Ihre Tochter dazu bewogen hat, mir das Buch verkaufen zu wollen – klären Sie das bitte mit ihr. Guten Tag, Mr. Kramer.«

Dass ich kein Interesse an seiner Tochter hatte, stimmte zwar nicht so ganz, hörte sich aber ziemlich gut an.

Mr. Kramer sah mich mit offenem Mund an, und bevor ihm eine passende Antwort einfiel, drehte ich mich um und verließ die Apotheke. Draußen atmete ich tief durch. Was für ein Spinner!

Ich machte mich auf den Weg zurück zum Buchladen. Hmm. Vielleicht sollte ich mir eine neue Apotheke suchen. Nur für den Fall, dass Mr. Kramer nachtragend war. Aber das konnte warten. Es gab Wichtigeres zu tun.

»Wie war dein Besuch bei Mr. Kramer?«, fragte mich Emma, als das Büro betrat. »Hat er sich gefreut, dass du ihm das Buch zurück gebracht hast?«

»Nein, nicht wirklich«, antwortete ich und setzte mich hinter den Schreibtisch. Ich öffnete die Schublade und holte ein kleines Buch hervor. Die Enzyklopädie der Fauna und Flora der Neuen Welt. Ein Familienerbstück, und nur ein Deveraux konnte diesem unscheinbaren Buch sein Geheimnis entlocken. Ich schlug es auf und strich über die Seiten. Die Verwandlung begann. Nach wenigen Augenblicken hatte sich die Enzyklopädie komplett verändert. Jetzt standen dort handschriftliche Einträge über Dämonen, fein säuberlich verfasst von meinen Vorfahren. Ich blätterte durch die Seiten.

»Was suchst du?« Neugierig sah mir Emma über die Schulter.

»Ich weiß es nicht genau. Etwas über Stimmen«, murmelte ich. Das Dämonenlexikon hatte unzählige Abschnitte, Bilder und Skizzen über alle möglichen Wesen. Wie sollte ich denn da etwas über ein Flüstern finden?

»Stimmen?«

»Ja. Als ich mit Mr. Kramer sprach, hat mich irgendjemand … gerufen.« Gedankenversunken blätterte ich weiter. Chimären, Artefakte, Blutmagie … Verdammt, hier stand ja überhaupt nichts Brauchbares drin!

»Bist du sicher? Vielleicht hast du dir das nur eingebildet. Oder dein Gewissen hat zu dir gesprochen.« Sie lachte.

Ich klappte das Buch zu. In Bruchteilen von Sekunden verwandelte sich die Enzyklopädie der Fauna und Flora der UnterWelt wieder in das unscheinbare Buch zurück. Ernst blickte ich Emma an. »Ich habe diese Stimme gehört, und zwar so deutlich, wie ich dich jetzt hörte. Aber das ist noch nicht alles: ich bin mir sicher, dass ich die Stimme kenne. Ich weiß nur nicht woher.«

Emma senkte den Kopf. Na, wer hatte denn jetzt ein schlechtes Gewissen? Sie streckte die Hand nach dem Buch aus. »Gib mal her, ich finde bestimmt etwas.«

Ich gab ihr das Buch und grinste.

»So nützt es mir gar nichts!«, sagte sie vorwurfsvoll.

Ich schlug das Buch erneut auf und strich über die Seiten. Dann gab ich es Emma zurück. Nur ein Deveraux konnte die Enzyklopädie aktivieren.

Selbst die ach-so-effiziente Emma fand nichts über die merkwürdige Stimme, die ich in Kramers Apotheke gehört hatte. Aber sie hatte eindeutig mehr Ausdauer als ich und versprach, zu Hause weiter zu suchen. Ich grinste bei der Vorstellung, wie sie das Buch in ihre Wohnung transportierte, denn sobald sie es zuklappte, würde es sich wieder zurückverwandeln.

Schließlich schloss ich den Laden ab und ging nach Hause. Angesichts des Chaos’, das in meiner Wohnung herrschte, hätte ich eigentlich aufräumen müssen. Aber das tat ich natürlich nicht. Stattdessen warf ich mich aufs Sofa und schaltete den Fernseher ein. Baseball. Na wer sagt’s denn. Ein ruhiger Abend. Das war genau das richtige. Auch Dämonenjäger müssen mal entspannen.

»Jack …«

Ich öffnete die Augen. Es war stockdunkel. Der Fernseher lief noch, aber ein Blick auf die Uhr sagte mir, dass ich fast drei Stunden geschlafen hatte. Es war kurz nach elf. Hatte ich mir das Flüstern dieses Mal nur eingebildet, oder war es ein Traum?

Mein Handy klingelte. Der Ton drang dumpf aus meiner Jeans, die in einem unordentlichen Haufen neben dem Sofa auf dem Boden lag. Ich kramte, bis ich es gefunden hatte und schaute auf das Display. Es war Emma.

Hmm. Es musste wichtig sein, wenn sie mich um diese Uhrzeit anrief. Vielleicht hatte sie etwas über die Stimme herausgefunden. Ich nahm ab.

»Ja?«

»Jack! Oh Gottseidank!« Emma klang aufgeregt, richtig panisch. Ich musste schlucken. »Was ist los, du klingst–«

»Du musst herkommen Jack, bitte!«, unterbrach sie mich. »Es ist überall, die ganze Wohnung–«

Ihre Stimme wurde von einem seltsamen Geräusch übertönt. Ein Rauschen und Sirren.

»Bitte … schnell! Nein –«

Details

Seiten
55
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783958243231
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v309485
Schlagworte
eBooks Spannung Grusel Daemonen Daemonenjaeger alter Buch Familienerbe Sirene Trance

Autor

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Titel: Jack Deveraux, Der Dämonenjäger - Vierter Roman: Sirenengesang