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Pakt mit dem Bösen - Niks erster Fall

2015 185 Seiten

Leseprobe

Über dieses Buch:

Wenn Nik eines nicht ist, dann „ein ganz normaler Junge“. As er acht Jahre alt war, kam sein Vater auf mysteriöse Art ums Leben. Nik weiß, dass es niederträchtiger Mord war. Und er kennt nur noch ein Ziel: Er will seinen Vater rächen. Durch einen Zufall kommt Nik einer Serie von Entführungen auf die Spur …

Über den Autor:

Thomas Christos ist das Pseudonym des erfolgreichen Autors Christos Yiannopoulos. Geboren 1957 in Patras (Griechenland), hat er nach dem Studium Drehbücher fürs Fernsehen geschrieben. Heute lebt er in Düsseldorf.


Ebenfalls bei dotbooks erschienen Thomas Christos‘ Kinderbücher Die Rosenkohlbande und Pakt mit dem Bösen. Niks erster Fall

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Neuausgabe November 2015

Copyright © der Originalausgabe © 2009 Fischer Taschenbuch Verlag in der S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt am Main

Copyright © der Neuausgabe 2015 dotbooks GmbH, München

Alle Rechte vorbehalten. Das Werk darf – auch teilweise – nur mit Genehmigung des Verlages wiedergegeben werden.

Titelbildgestaltung und Titelbildabbildung: Foto © THOR / geishaboy500 (www.flickr.com/photos/geishaboy500/2915154084/in/album-72157607724308547/); Bearbeitung © Tanja Winkler

ISBN 978-3-95520-630-7

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Thomas Christos

Pakt mit dem Bösen

Niks erster Fall

dotbooks.

Für Linos & Nikos

Der Anfang

Es gibt Menschen, die haben zwei Leben.

Nik Mallory war einer davon. Sein erstes Leben dauerte acht Jahre und endete an einem Freitagabend. Wie üblich wollte Nik vor dem Schlafengehen seinem Vater gute Nacht sagen. Der saß in seinem Arbeitszimmer am Schreibtisch und blickte durch eine starke Lupe. Er war so in seine Arbeit vertieft, dass er Nik zunächst nicht bemerkte. Es war ein Foto, das seine Aufmerksamkeit in Anspruch nahm, genauer gesagt, eine Luftaufnahme. Nik erkannte mehrere Gebäude und einen Wachturm. Einige Stellen darauf waren farbig markiert.

»Papa, wer hat das Bild geschossen? Ein Spionagesatellit?«

»Wirst du wohl ...? Das ist topsecret!«

Herr Mallory nahm das Bild und drehte es um.

»Nie darf ich wissen, woran du gerade arbeitest!«

Einerseits fand Nik es cool, dass sein Vater Agent beim Bundeskriminalamt war, andererseits war es ziemlich blöd, weil er nie etwas von seiner Arbeit erzählte.

Herr Mallory schaute Nik in die Augen.

»Du kennst doch die Spielregeln, Nik?«

»Du darfst zu laufenden Ermittlungen nichts sagen!«

»Korrekt. Und du willst doch mal ein guter Polizist werden, oder?«

»Genau wie du, Papa!«

Herr Mallory hielt die flache Hand hin und Nik schlug ein. Und schon war wieder alles im Lot zwischen den beiden. Sie wussten, was sie aneinander hatten. Insbesondere seit Niks Mutter vor einem halben Jahr bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen war.

»Aber wenn du den Fall gelöst hast, wirst du mir dann das Geheimnis von diesem Foto verraten?«

»Versprochen. Und es sieht so aus, als wenn du nicht allzu lange darauf warten müsstest. Ich brauche nur noch ein paar Details von einem Informanten. Aber jetzt wird es Zeit für dich, Nik!«

Eine halbe Stunde später lag Nik in seinem Bett und träumte seinen Lieblingstraum. Er war Agent und jagte Verbrecher. Gerade als er die Verfolgung eines maskierten Mannes aufnehmen wollte, wachte er auf. Es hatte geschellt. Um diese Zeit? Wer konnte das sein? Nik stand auf und lugte neugierig durch die halb offene Kinderzimmertür in den Flur. Sein Vater schaute durch den Türspion. Im gleichen Moment brach das Inferno los. Eine ohrenbetäubende Detonation sprengte die Tür aus den Angeln und dann fraß sich eine Feuerwalze durch die Diele. Vergeblich versuchte Niks Vater den Flammen auszuweichen. Und Nik, starr vor Schreck, hörte gerade noch eine zweite Explosion, bevor er von einer enormen Druckwelle gegen die Wand geschleudert wurde. Dann wurde es schwarz.

Nik kam mit schwersten Kopfverletzungen ins Krankenhaus. Als er ins Koma fiel, gaben ihm die Ärzte keine zwei Wochen mehr. Der Junge würde sterben, das war so gut wie sicher. Als sie kurz davor waren, die Maschinen abzustellen, wachte Nik auf. Das war der Beginn seines zweiten Lebens.

Der Mindcracker

Das Jugendamt brachte Nik in einer Wohngruppe mit anderen Waisen unter. In den ersten Wochen konnte er nachts nicht schlafen, so sehr vermisste er seinen Vater. Es dauerte eine halbe Ewigkeit, bis die Trauer sich halbwegs gelegt hatte. Dafür entstand in Nik das Verlangen, dass der Mörder zur Rechenschaft gezogen würde. Doch die Ermittlungen der Polizei verliefen im Sande, die Akte wurde geschlossen.

Niks Kopfverletzungen waren medizinisch betrachtet geheilt. Aber er merkte, dass irgendetwas anders war. Nik stellte fest, dass er sich Namen und Zahlen besser merken konnte als andere Kinder. Er brauchte Texte und Zahlenkombinationen nur einmal anzuschauen, und schon war alles in seinem Hirn gespeichert. Diese Fähigkeit kam ihm vor allem in der Schule zugute. Er lernte superschnell Vokabeln, und die kompliziertesten Matheformeln begriff er, ohne dass sie ihm jemand erklären musste. Ellenlange Gedichte konnte er mühelos auswendig aufsagen.

Nach einem Jahr hatte Nik, der früher ein eher durchschnittlicher Schüler war, nur noch Einsen im Zeugnis. Aber nicht nur das. Nik wurde ein wandelndes Lexikon. Und weil er jede noch so komplizierte Mathe- und Physikformel knackte, hatte er bald einen Spitznamen weg: Mindcracker. Trotzdem wollten die meisten Mitschüler nichts mit ihm zu tun haben. Er galt als Streber. Und mit einem Streber wollte niemand befreundet sein. Er galt als Sonderling. Es nutzte Nik wenig, dass er irgendwann zwei Gänge runterschaltete und bei Klassenarbeiten absichtlich Fehler machte. Er war immer noch viel besser als der Rest der Klasse und deswegen allen suspekt.

Nach einiger Zeit fand sich Nik damit ab, dass seine Gabe ihn zum Einzelgänger machte. Er beschloss, seine Hochbegabung dazu zu nutzen, den Mord an seinem Vater aufzuklären.

Doch sämtliche Kontaktversuche mit dem BKA, um an die Akte seines Vaters zu kommen, scheiterten. Seine Mails blieben unbeantwortet und in der Telefonzentrale nahm man einen Neunjährigen erst gar nicht ernst. Nik wusste, dass es nur einen Weg gab: die Schule beenden und eine Lehre bei der Polizei machen. Sein allererster Fall würde dann die Fahndung nach dem Mörder seines Vaters sein. Und bis dahin wollte er sich vorbereiten, gut vorbereiten. Er las sämtliche Bücher über Kriminalistik, die er bekommen konnte, und übte sich in verschiedenen Kampfsportarten. Natürlich geheim. Die anderen Kinder sollten nichts davon erfahren. Für sie blieb er ein langweiliger Streber. In Wirklichkeit: ein Mindcracker!

Die Internationale des Bösen

Fünf Jahre später ...

Die neue Nase juckte höllisch. Asmodis fuhr sich zum wiederholten Mal mit den Zeigefingern in beide Nasenlöcher und ließ sie stereo rotieren. Das sah zwar ziemlich bescheuert aus, aber seine beiden Begleiter verzogen keine Miene, dazu hatten sie viel zu großen Respekt vor ihrem Boss.

Um sich vom juckenden Zinken abzulenken, griff Asmodis zur Zeitung, blätterte bis zur Comic- und Rätselseite durch und versuchte, sich auf ein SUDOKU zu konzentrieren.

Eine Zahlenreihe wurde gesucht. Asmodis zermarterte sich sein Hirn. Mist, warum kam er nicht darauf? Ungeduldig pfefferte er die Zeitung zurück auf den Sitz neben sich. Vollkommen sinnlos, die Zahlenrätsel, wer dachte sich bloß so einen Mist aus?

Asmodis' Laune war auf dem Nullpunkt. Er würde dafür sorgen, dass die blöde Schlaumeierzeitung pleiteging. Und der plastische Chirurg, der ihm alljährlich ein neues Gesicht verpasste, damit ihn die Polizei nicht identifizieren konnte, sollte für die ständig juckende Nase büßen.

Dass das keine leeren Drohungen waren, wusste jeder, der einmal Asmodis' Bekanntschaft gemacht hatte. Obwohl er nicht der Hellste war, war Asmodis einer der mächtigsten Männer der Unterwelt. Von einem geheimen Stützpunkt aus kontrollierte und organisierte er den internationalen illegalen Waffenhandel. Von der einfachen Handfeuerwaffe über modernste Luftabwehrraketen bis hin zu Hightech-Panzern, U-Booten und Kampfjets hatte er alles im Angebot, was die Herzen von Terroristen, Söldnerführern, korrupten Diktatoren und Gangsterbossen höher schlagen ließ. Asmodis war ein Händler des Todes und damit unermesslich reich geworden. Was ihm an Intelligenz fehlte, machte er durch Brutalität und Skrupellosigkeit wett. Und wenn nötig, dann kaufte er sich Kompetenz und Wissen einfach ein. Auf seiner Lohnliste standen die abgebrühtesten Manager, Politiker und Wissenschaftler. Mit diesem ›Erfolgsrezept‹ hatte er es bis in die höchsten Kreise des internationalen Verbrechens geschafft. Aber er wollte mehr, viel mehr!

Es knackte im Kabinenlautsprecher und der Pilot meldete aus dem Cockpit: »Sichtkontakt mit Station Delta. Wir wassern in knapp fünf Minuten.«

Asmodis sah aus dem Fenster. Am Horizont war mitten in den öden Weiten des Ozeans eine etwa zwei Fußballfelder große Plattform zu sehen, die sich auf mächtigen, im Meeresboden verankerten Säulen über die gischtende See erhob. Station Delta, eine ehemalige geheime Funk- und Radarstation der Alliierten!

Nach dem Zweiten Weltkrieg war der stählerne Horchposten im Nirgendwo durch die Einführung der Weltraumsatellitentechnik für die Militärs überflüssig geworden und man hatte die Station aufgegeben. Inzwischen wusste fast niemand mehr davon und die Handvoll Veteranen, die noch Kenntnis davon hatten, glaubten, dass die Station Delta im rauen Seeklima still und leise vor sich hin rostete.

Dem war aber nicht so. Der Stützpunkt wurde von einer Gruppe Dunkelmänner gehegt und gepflegt. Die Radarstation sowie die schweren Flugabwehr- und Seegeschütze, die die Plattform vor Angriffen schützten, waren bestens in Schuss. Niemand konnte sich unbemerkt nähern. Der ideale Treffpunkt für die meistgesuchten und –gehassten Männer der Welt.

Zweimal im Jahr versammelte sich auf Station Delta die Internationale des Bösen zum Gipfeltreffen. Dann sprachen die Bosse der chinesischen Triaden, der amerikanischen, russischen und italienischen Mafia, der japanischen Yakuza, des kolumbianischen Drogenkartells und auch Vertreter von Al-Qaida über Geschäfte.

Trotz Absprachen und befristeter Zweckbündnisse war es bisher nie zu einer gemeinsamen Aktion aller Verbrecherorganisationen gekommen. Jeder war sich selbst der Nächste und keiner wollte sich dem Kommando eines anderen unterordnen. Und genau das gedachte Asmodis künftig zu ändern. Natürlich kam nur ein einziger Mann auf dieser Welt als Oberbefehlshaber in Frage: Er. Asmodis träumte schlicht davon, die Weltherrschaft an sich zu reißen.

»Sitzt nicht blöd rum, Jungs«, fuhr er seine beiden Begleiter an. »Meinen kugelsicheren Anzug, aber zackig!«

»Selbstverständlich! Entschuldigen Sie, Chef! Sofort!«

Borsow, ein muskelbepackter Zwei-Meter-Riese mit spiegelnder Glatze, und sein Kollege Lopez, ein erheblich kleinerer, aber äußerst drahtiger Typ mit Schnauzer und Pferdeschwanz, sprangen gleichzeitig auf und beeilten sich, das Gewünschte herbeizuschaffen. Sie waren ihrem Boss bedingungslos ergeben, sich untereinander allerdings nicht besonders grün.

So unterschiedlich Borsow und Lopez auch waren, kleidungstechnisch hatten sie denselben Geschmack. Schuhe, Anzüge, T-Shirts, Sonnenbrillen, ja, sogar die Socken waren schwarz. Farblich passte das ausgezeichnet zu ihrem düsteren Job. Sie waren Asmodis' Männer fürs Grobe: Auftragskiller. Borsow hatte sein Handwerk beim ehemaligen sowjetischen Geheimdienst KGB gelernt, Lopez bei den Navy Seals, einer Eliteeinheit der amerikanischen Marines. Zwei brandgefährliche Typen, die nicht lange fackelten, wenn es drauf ankam.

Asmodis pellte sich aus seinem Trainingsanzug und legte rasch den aus einer Hightechfaser gewebten Anzug an, der rein optisch von einem gewöhnlichen nicht zu unterscheiden war, aber von keinem Messerstoß oder Revolverschuss durchdrungen werden konnte. Sicher war sicher. Die Männer, die er gleich treffen würde, waren nicht zu unterschätzen.

Die Canadair CL 415, ein zweimotoriges Amphibienflugzeug, setzte zur Landung an. Mit ihrem schwimmfähigen Rumpf konnte sie auf dem Wasser aufsetzen, verfügte aber auch über ein Fahrwerk, das Landungen auf festem Grund ermöglichte. Meterhoch gischtete die unruhige See auf, als die Canadair wasserte. Der Pilot drosselte die Geschwindigkeit und ließ dann die Maschine mit langsamer Fahrt auf Station Delta zu gleiten. In einer der Rundsäulen wurde eine Luke geöffnet und ein Mann mit umgehängter MP erschien. Borsow warf ihm ein Halteseil zu.

»Bin ich der Erste?«, fragte Asmodis, während er in den elektronischen Iris-Scanner blickte, den ihm der Bewaffnete vors Gesicht hielt. Eine Identifikationsmaßnahme, die notwendig war, da Asmodis bei jedem zweiten Treffen mit verändertem Gesicht erschien.

»Nein, Sir. Sie sind der Letzte«, antwortete der Mann und nickte dann befriedigt, als auf dem Scannerdisplay der Name ›Asmodis‹ erschien. »Das Meeting dürfte gleich zu Ende sein.«

»Unverschämtheit«, beschwerte sich Asmodis. »Haben die einfach früher angefangen. Abgemacht war zwölf Uhr, und jetzt ist es Punkt zwölf, oder habe ich einen Knick in der Optik?!« Ärgerlich hielt er dem Bewaffneten seine Armbanduhr hin, deren Zeiger auf der Zwölf übereinander standen.

»Ortszeit, Sir. Das Treffen begann um zwölf Uhr Ortszeit«, murmelte der Mann kaum hörbar, weil er wusste, wie aufbrausend Asmodis sein konnte. »Hier auf Station Delta ist es jetzt sechzehn Uhr.«

Borsow half seinem Boss mit einer geflüsterten Erklärung: »Das liegt daran, dass wir auf dem Weg mehrere Zeitzonen durchflogen haben.«

»Können wir dann jetzt los?«, blaffte Asmodis.

Mit dem Lift ging es innerhalb einer Säule nach oben an Deck der Plattform. Der Bewaffnete geleitete die Neuankömmlinge zu einem flachen Gebäude, öffnete eine Tür und trat zur Seite. Asmodis betrat einen edel ausgestatteten Saal, in dem etwa dreißig Personen um einen hufeisenförmigen Konferenztisch saßen. Sofort stellten die eifrig Diskutierenden das Reden ein und blickten überrascht zur Tür.

»Freunde! Sorry, ich bin ein bisschen spät dran«, grüßte Asmodis in die Runde und schritt auf den für ihn frei gehaltenen Platz zu.

»Das kann nur unser guter alter Asmodis sein«, polterte Boris Uljanow, der Oberboss der Russenmafia. »Und wieder mal mit einer brandneuen Visage!«

»So ist es«, nickte Asmodis. »Kann ich dir nur empfehlen, Boris.«

Allgemeines Gelächter. Nur Boris, der in der Tat ein Gesicht wie ein verbeulter Blecheimer hatte, fand das gar nicht komisch.

»Ich kann mich für die Verspätung nur entschuldigen«, sagte Asmodis und zeigte seine mit Brillanten besetzte Armbanduhr in die Runde. »Da fliegt man einmal durch ein paar läppische Zeitzonen und schon geht das Ding nach dem Mond. Von einer Hundertausend-Dollar-Zwiebel hätte ich wirklich mehr erwartet. Der Uhrmacher ist so gut wie tot!«

Betretenes Schweigen. »Aber nun bin ich ja da, Freunde. Habe ich was verpasst?«

»Wie man's nimmt«, sagte Don Graciano, der Pate der italienischen Mafia. »Wir sind schon ziemlich am Ende, aber du kannst ja das Protokoll lesen.«

»Lesen?«, lachte Boris, der Asmodis' Beleidigung noch nicht verdaut hatte. »Dürfte unserem Asmodis schwerfallen.«

»Aber bitte, bitte, meine Herren«, versuchte der Yakuza-Führer mit japanischer Höflichkeit zu beschwichtigen. »Unser Freund Asmodis ist das beste Beispiel dafür, dass man es auch ohne übermäßigen IQ zu etwas bringen kann.«

»Mr. Wong, Sie sagen es«, nickte Asmodis. Weil ihm nicht ganz klar war, ob das nun gut oder schlecht war, fügte er sicherheitshalber hinzu: »Ich bin gerade dabei, mir einen neuen IQ zu kaufen, den allermodernsten und größten, versteht sich.«

Die versammelten Gangsterbosse fielen vor Lachen fast von den Stühlen. Asmodis machte gute Miene zum bösen Spiel und tat so, als ob er einen Witz gemacht hätte. Innerlich aber schäumte er vor Wut. Für den Rest der Sitzung schwieg er, ganz in Gedanken versunken. Er hatte begriffen, dass der richtige Zeitpunkt noch nicht gekommen war, um der Versammlung seine großen Pläne zu eröffnen.

Als Asmodis wenig später wieder in seiner Canadair hoch über den Wolken schwebte, war er zu einer Entscheidung gekommen: Wer die internationalen Verbrecherorganisationen zusammenführen und anführen wollte, würde eine überragende Intelligenz brauchen. Und dass ihm dazu ein kleines bisschen fehlte, musste selbst er sich eingestehen. Aber sollte er deshalb seine Pläne sang- und klanglos begraben? Niemals! So war Asmodis nicht gestrickt. Geht nicht gibt's nicht, war seine Devise. Mit seinem ausgeprägten Machtinstinkt hatte er sich vom primitiven Straßenschläger bis in die Verbrecheraristokratie hochgearbeitet. »Stell mir eine Verbindung zu Professor Falcone her, Borsow«, befahl er entschlossen und deutete auf das Satellitentelefon.

Der Überfall

»Hände hoch und keinen Mucks!«

Der Geschäftsführer des Einkaufszentrums mitten in der Hamburger City hob überrascht zuerst den Blick und dann die Hände. Er sah direkt in die Mündung einer 7,65iger Walther PPK, die ihn wie ein böses, schwarzes Auge zu fixieren schien. Vor dem Schreibtisch stand ein bulliger Mann in schwarzer Motorradkombi. Seinen Integralhelm hatte er nicht abgenommen, das Visier war heruntergeklappt.

»Alles Geld da rein!«

Eine Sporttasche knallte auf den Tisch. Wie hypnotisiert begann der Geschäftsführer die Banknoten hineinzustopfen.

»Arme auf die Lehnen, Füße zusammen!«

Der Geschäftsführer leistete keinen Widerstand. Sekunden später war er mit starkem Klebeband an einen Stuhl gefesselt. Der ganze Überfall hatte keine drei Minuten gedauert. Der Räuber griff sich die Tasche und wandte sich dann zur Tür, die in diesem Moment von außen geöffnet wurde.

»Überfall! Aus dem Weg!«, brüllte der Räuber die eintretende Sekretärin an und ballerte zweimal demonstrativ in die Luft.

Die Frau schrie auf und presste sich panisch mit dem Rücken gegen die Wand. Der Räuber hastete an ihr vorbei. Zwanzig Sekunden später ertönte der gellende, auf- und abschwellende Sound der Alarmanlage.

Nik Mallory war auf dem Heimweg von der Schule. Als er die beiden Schüsse hörte, trottete er gerade durch eine schmale Seitenstraße. Zunächst hielt er den Doppelknall für Fehlzündungen eines Autos. Als aber kurz darauf das Heulen der Alarmanlage ertönte, wusste er es besser. Ein Überfall!!!

Nik blieb abrupt stehen, als ein behelmter Mann in Lederkombi im Laufschritt um die Ecke kam. In der einen Hand hielt er eine Sporttasche, in der anderen etwas metallisch Schwarzes. Der Mann strebte auf ein Crossmotorrad zu, das am Bürgersteigrand direkt neben Nik geparkt war.

Niks Gehirn ratterte mit der Geschwindigkeit eines Supercomputers. Er registrierte aus den Augenwinkeln, dass die Crossmaschine kein Nummernschild hatte. Gleichzeitig realisierte er, dass das Schwarze in der Hand des Mannes eine Pistole war.

»Zur Seite, oder ich schieß dich über den Haufen«, blaffte der Mann und fuchtelte mit seiner Waffe.

Nik zoomte seinen Blick auf den Lauf und erkannte das eingravierte Siegel der Physikalisch-Technischen-Bundesanstalt.

»Mit einer Schreckschusspistole?«, lachte Nik und blieb seelenruhig neben dem Motorrad stehen. »Geben Sie auf, Mann, Sie haben keine Chance!«

Nik ging Gerechtigkeit über alles. Klare Sache, dass er einen Räuber auf der Flucht nicht einfach ziehen lassen konnte.

Ungläubig starrte der Mann den eher schmächtigen Vierzehnjährigen mit dem dunklen Stoppelhaarschnitt und den tiefschwarzen Augen an.

»Was quatschst du da? Zieh Leine, Junge!«

Der Räuber wollte den Jungen zur Seite boxen und aufs Motorrad steigen. Doch Nik, der die Faust in Zeitlupe auf sich zukommen sah, reagierte schnell. Ohne seine Füße auch nur einen Millimeter zu bewegen, wich er geschickt mit dem Oberkörper nach rechts aus, um danach sofort wieder zurückzuschnellen. Dann sprang er aus dem Stand hoch und traf seinen nach vorn taumelnden Gegner mit einem knackigen, ansatzlosen Kick in den Bauch. Der Unbekannte ging röchelnd in die Knie, Tasche und Pistole fielen zu Boden.

Nik hatte ein flaues Gefühl im Magen. Es war das erste Mal, dass er seine Kampfkünste an einem Menschen angewandt hatte. Was, wenn er den Fremden ernsthaft verletzt hatte? Während Nik noch überlegte, ob es richtig war, Gewalt anzuwenden, rappelte sich der Räuber stöhnend vom Boden auf. Wie aus dem Nichts hielt er ein doppelt geschliffenes Stilett in der Faust.

»Du hast es nicht anders gewollt, Freundchen!«

Die Stilettklinge fuhr durch die Luft, doch sie verfehlte Nik, der in einer Wahnsinnsgeschwindigkeit nach hinten ausgewichen war. Der Mann setzte mit einem gerade geführten Stoß nach. Im Nu waren Niks Bedenken wie weggeblasen. Er machte einen Sidestep, packte das Handgelenk seines Gegners und grub seine Fingerkuppen in die empfindliche Stelle unterhalb der Handwurzel. Aufjaulend ließ der Mann das Messer fallen. Nik bückte sich reflexartig nach dem Stilett. Der Mann nutzte den Moment der Unachtsamkeit, hechtete auf seine Maschine, brachte den Motor mit nur einem Tritt auf den Kickstarter in Gang und flitzte davon.

Nik ärgerte sich. Er musste noch viel lernen! Seufzend klaubte er die Pistole des Räubers vom Boden auf und öffnete dann den Reißverschluss der Sporttasche. Dass sie prall mit Geldscheinen gefüllt war, verwunderte ihn nicht. Was nur einen Moment später geschah allerdings schon: Gellende Martinshörner, zuckendes Blaulicht. Von beiden Straßenenden kamen Streifenwagen auf ihn zu gerast und stoppten mit quietschenden Reifen knapp vor seinen Füßen. Mit gezogenen Waffen sprangen mehrere Uniformierte aus den Wagen

»Gesicht auf den Boden, Hände auf den Rücken!« Vier Pistolenmündungen zielten auf Nik.

Nik legte vorsichtig die Pistole auf den Gehweg und winkte mit beiden Armen ab. »Hier liegt ein Missverständnis vor. Der Täter ist mit einer Yamaha TT 600 Enduro auf der Flucht, roter Tank ...«

»Gesicht auf den Boden und keine Zicken, Freundchen, ich will es nicht noch mal sagen.«

Was blieb Nik anderes übrig. Er ließ sich in die Bauchlage gleiten. Sofort hatte er ein Polizistenknie im Rücken. Rüde wurden ihm die Arme nach hinten gerissen und dann klickten Handschellen.

»Sie machen einen großen Fehler ...«

»Du redest nur, wenn du gefragt wirst.«

Flora

Flora war zwölf Jahre, als ihre Eltern bei einem Verkehrsunfall ums Leben kamen. Andere Verwandte gab es nicht – blieb also nur das Kölner Jugendamt, das Flora in eine Wohngruppe steckte. Das war gut gemeint, aber Flora hielt es trotzdem nicht lange dort aus. Bald hatte sie Freunde und Unterschlupf bei den Freaks der Bauwagensiedlung in Köln-Ehrenfeld gefunden. Zur Schule ging sie nun nicht mehr. Aber dafür studierte sie seit einem Jahr täglich das Überleben auf der Straße und das war härter als Mathe und Physik zusammen.

Und nun war sie unterwegs nach Hamburg zu ihrer Freundin Isabelle. Isabelle hatte ihre Eltern nicht in den stinklangweiligen Cluburlaub begleiten wollen und durfte mit ihrer fast volljährigen Schwester daheim in Hamburg bleiben. Drei Wochen sturmfreie Bude! Flora freute sich riesig auf das Wiedersehen mit Isabelle, die sie vor einem Jahr auf einem Festival kennengelernt hatte. Weniger erfreulich war, dass kein Wagen hielt, um sie mitzunehmen.

Flora trug eine schwarze, mit Glasperlen und spiegelnden Pailletten besetzte indische Fransenbluse, einen kurzen schwarz-weiß karierten Faltenrock, dazu Netzstrümpfe und an den Füßen schwere Doc Martens – alles Fundstücke vom Kölner Flohmarkt. Als es anfing zu nieseln, zog sie ihre etwas groß geratene abgewetzte schwarze Lederjacke über und zog eine Mütze über ihre Locken. Ein Opa in seinem Opel, der schon den Fuß auf der Bremse gehabt hatte, gab daraufhin gleich wieder Gas. Nach über einer Stunde erbarmte sich eine Lastwagenfahrerin und nahm Flora mit nach Hamburg-Dammtor.

Isabelle werkelte emsig in der Küche und bestrich einen ganzen Berg Toastscheiben mit Erdnussbutter und Marmelade. Flora musste bald eintreffen und nach der langen Fahrt von Köln würde sie einen Bärenhunger haben. Isabelle pfiff vor sich hin. Die vor ihr liegenden Wochen würden herrlich werden. Niemand, der sie stören und lästige Vorschriften machen würde, denn auch ihre ältere Schwester, die eigentlich auf sie aufpassen sollte, wollte die elternfreie Zeit nutzen und war mit ihrem Freund zu einem Festival im dänischen Rokskilde gefahren. Natürlich nicht, ohne Isabelle vorher einen heiligen Stillschweigensschwur abzunehmen. Isabelle hatte ihn nur allzu gern geleistet.

Es klingelte an der Wohnungstür.

»Ich komme!«, rief Isabelle, Messer und Toast fallen lassend, und eilte zur Tür.

Bevor sie öffnete, warf sie einen Blick durch den Spion. Wahrscheinlich wieder irgendwelche lästigen Missionare oder Typen von der GEZ, dachte sie enttäuscht, als sie zwei schwarz gekleidete Männer sah, die reichlich ungeduldig wirkten. Sie legte die Sicherheitskette vor und öffnete die Tür einen Spaltbreit.

»Ich bin praktizierende Buddhistin, und die Rundfunkgebühren sind auch schon bezahlt«, sagte sie und wollte die Tür gleich wieder schließen.

Plock! hatte sich ein schwarzer Männerschuh blockierend in den Türspalt geschoben.

»Bist du Isabelle Severin?«, fragte Borsow mit seinem russischen Akzent.

»Äh ... ja«, entfuhr es Isabelle, über die Dreistigkeit des Mannes erschrocken. »Warten Sie, ich hol mal gerade meine Eltern.«

»Von Fuerteventura?«, fragte Lopez mit Haifischgrinsen.

»Ich ... ich meine natürlich meine große Schwester«, stammelte Isabelle.

»Ach, ist die schon aus Rokskilde zurück?« Borsow drückte gegen die Tür.

Die Verankerung der Sicherheitskette riss aus der Türzarge, als wäre sie mit Tesafilm angeklebt gewesen. Jetzt bekam Isabelle richtig Angst. Borsow drängte in die Wohnung und schnappte sich das Mädchen, während Lopez die Wohnungstür hinter sich schloss. Mit vor Entsetzten geweiteten Augen registrierte Isabelle, wie er eine Spritze hervorzog und etwas Flüssigkeit aus der Nadel drückte. Dann hieb er die Kanüle in ihren Oberarm. Sekunden später wurde es schwarz.

Borsow ließ das bewusstlose Mädchen auf den Flurteppich gleiten und begann, es darin einzurollen. Da ertönte die Türklingel. Borsow und Lopez erstarrten.

Nach etwa zwanzig Wartesekunden schellte es Sturm.

»Isabelle! Hallooo! Ich bin's! Sitzt du auf den Ohren oder etwa auf dem Klo?«, rief Flora und bummerte gegen die Tür.

In der Wohnung rührte sich nichts. Flora wunderte sich zwar, vermutete aber, dass Isabelle noch was einkaufen war, und beschloss, unten in der Sonne auf sie zu warten.

Lopez hatte hinter der Wohnungstür das Auge an den Spion gepresst. Als Flora verschwunden war, öffnete er, huschte zur Treppe und spähte über das Geländer nach unten

Einige Minuten später gab er seinem Kollegen ein Zeichen. Borsow schulterte die Teppichwurst, trat ins Freie und zog die Wohnungstür hinter sich zu.

Flora hatte sich auf die Eingangstufen des Mietshauses gesetzt und sich gerade ihres alten Kaugummis entledigt, als die beiden Männer das Haus verließen. Komische Typen, dachte sie, kein Mensch lief in dieser Gegend in schwarzen Anzügen rum. Wahrscheinlich wollten sie als Teppichhändler besonders seriös wirken. Oder sie arbeiteten bei einem Bestattungsunternehmen. Flora rückte zur Seite, um den beiden komischen Typen Platz zu machen.

»Braves Kind«, sagte der Lastenträger und trat in ihren Kaugummi. »Iiiih!«, rief er angeekelt, als er den Fuß anhob und sich die klebrige rosa Masse zwischen Schuhsohle und Treppenstufe auseinanderzog. Flora machte sich auf wüste Beschimpfungen gefasst, doch dazu kam es nicht, weil der Mann das Gleichgewicht verlor und ihm der Teppich aus den Armen glitt und sich direkt vor Floras Füßen entrollte.

»Isabelle! Das gibt's ja gar nicht!«, entfuhr es Flora, als sie die ohnmächtige Freundin auf dem Boden liegen sah.

Sie wollte um Hilfe schreien, aber Lopez hatte sie schon von hinten gepackt und hielt ihr den Mund zu.

»Nun mach endlich den Wagen auf, du Trottel«, brüllte er seinen Kollegen an.

Borsow riss die Hecktür des Lieferwagens auf, griff Isabelle einfach am Hosenbund und warf sie unsanft in den Laderaum. Dann lief er zur Fahrertür, sprang hinters Steuer und ließ den Motor an. Lopez ließ die wild um sich tretende Flora los und gab ihre einen Schubs, so dass sie stolperte und fiel. Im nächsten Augenblick schoss der Lieferwagen mit quietschenden Reifen davon.

Flora rappelte sich hoch und rannte los, musste aber schnell einsehen, dass sie keine Chance hatte. Sie sah nur noch, wie der Lieferwagen um die nächste Ecke bog. Aus den Augenwinkeln nahm sie einen Pizzaboten war, der seinen Roller mit laufendem Motor am Straßenrand abstellte und mit seiner Thermokiste in einem Hauseingang verschwand. Bingo!

Gott sei Dank, Automatikgetriebe! Flora, die noch nie einen Roller gefahren hatte, brauchte bloß Gas zu geben. Mit fünfzig Sachen nahm sie die Verfolgung auf, schoss um die Kurve auf die Straße, die Richtung Innenstadt führte und schlängelte sich dann in halsbrecherischer Fahrt durch den immer dichter werdenden Großstadtverkehr. Tatsächlich kam der Lieferwagen bald wieder in Sicht. Mit dem wendigen Roller war sie als Verfolgerin im Vorteil. Doch dann passierte es: Der Lieferwagen rollte bei gelb über eine Kreuzung. Flora, die sich nicht abhängen lassen wollte, gab noch mehr Gas. Die Ampel sprang auf Rot. Flora ging volle Kanne in die Eisen. Der Roller schleuderte und Flora verlor die Kontrolle über ihn. Mit ihrem Gefährt schlidderte sie auf ein am Straßenrand geparktes Auto zu und dellte es kräftig ein. Es war ein Streifenwagen!

Die Flucht

»Der Räuber trug Motorradkleidung und einen Helm, das werden die Leute aus dem Einkaufszentrum doch bestätigen können. Trage ich so was?«

»Du kennst den Mann also?!«

»Nein, wie kommen Sie darauf? Ich war nur zufällig in der Nähe.«

»Zufällig, dass ich nicht lache. Komm schon, Junge, wie ist der Name deines Komplizen?«

»Ich habe keinen Komplizen.«

»Also hast du den Überfall ganz allein durchgezogen?«

»Nein, ich habe nichts damit zu tun!«

»Aber du hattest die Pistole und die Beute.«

»Die habe ich doch dem Räuber abgenommen.«

»Du? Ja, klar!«

»Ich kann Kung Fu.«

»Und ich Mikado!«

»Ehrlich, habe ich mir selber beigebracht.«

»Wie du willst, Junge! Dich kriegen wir auch noch weich!«, sagte der entnervte Polizeibeamte, der Nik seit über einer Stunde verhörte.

»Ich habe wirklich nichts mit der Sache zu tun!«, wiederholte Nik, der langsam begriff, dass er in der Falle saß.

»So kommen wir nicht weiter«, sagte der Beamte hinter seinem Schreibtisch und griff zum Telefon. »Du hast in der Zelle Zeit, dir zu überlegen, ob du die Wahrheit sagen willst. Ich informiere jetzt deinen Heimleiter, dass du bis auf weiteres bei uns bleibst.«

Der Kripomann nickte dem neben der Bürotür sitzenden Uniformierten zu.

»Warte mit dem Jungen auf dem Gang. Die haben nebenan noch so ein Früchtchen in der Mangel, eine Mopeddiebin und Streunerin. Wenn die Kollegen fertig sind, kannst du die gleich mitnehmen.«

Der Uniformierte erhob sich, gab Nik ein Zeichen und verließ mit ihm das Büro. Auf dem Flur musste sich Nik auf eine Bank setzen, während sein Bewacher sich am offenen Fenster eine Zigarette ansteckte.

Die benachbarte Bürotür öffnete sich und der Kopf eines Ermittlers erschien.

»Ist der Transporter zum Jugendarrest schon da, Frank?«

»Müsste jeden Moment eintreffen«, antwortete Niks Bewacher. »Vielleicht stecken die Kollegen aber auch im Verkehr fest.«

»Okay, dann hab mal so lange ein Auge auf die Kleine hier, die fährt auch mit«, sagte der Kriminale, schob Flora auf den Flur und bedeutete ihr, sich neben Nik zu setzen.

Eine Weile saßen die beiden stumm nebeneinander, bis Flora schließlich flüsterte: »Hi, ich bin Flora.«

Nik lächelte höflich zurück »Nik.«

»Was hast du denn ausgefressen?«, fragte Flora.

»Angeblich bewaffneter Raubüberfall.«

»Hut ab, scheinst ja ein ganz schwerer junge zu sein.«

»Die Betonung liegt auf angeblich.«

»Und ich soll einen Motorroller geklaut haben. Dabei hab ich mir das Teil nur kurz ausgeliehen, um die Entführer meiner Freundin zu verfolgen. Zwei Typen in Schwarz haben sie einfach in einen Transporter geworfen und sind weggefahren. Aber die Gipsköpfe hier glauben mir kein Wort.«

Kein Wunder, dachte Nik, die Geschichte klang wirklich ziemlich unrealistisch. Aber das wollte er dem Mädchen lieber nicht sagen, zumal er Wichtigeres vorhatte. Er musste seine Unschuld beweisen. Und dazu blieb ihm nichts anderes übrig als zu flüchten. Er musste den Täter finden, und zwar schnell. Er stand abrupt auf. »Viel Glück und tschüs!«, rief er Flora zu und setzte sich in Bewegung.

Aber wohin sollte er gehen? Nach unten zum Ausgang konnte er nicht, weil der bewacht wurde. Aber bekanntlich führen viele Wege nach Rom, London oder was sonst gerade so in ist, und deshalb rannte Nik nach oben. Im vierten Stock war Schluss. Eine eiserne Brandschutztür versperrte den Weg. Niks Stoßgebet, dass wenigstens die Polizei sie vorschriftsmäßig unverschlossen hielt, wurde erhört. Sekunden später war er auf dem Flachdach des Gebäudes und lief zum Rand. Er sah sofort, dass es keine Möglichkeit gab, an der glatten Fassade nach unten zu klettern. Aber seitlich war ein anderes Haus dicht an die Wache gebaut. Nur ein schmaler Durchgang, in dem Mülltonnen und Papiercontainer standen, trennte die beiden Gebäude. Nik schätzte die Entfernung auf knapp vier Meter. Sollte eigentlich zu schaffen sein. Er war schon weiter gesprungen, allerdings nicht unter solch extremen Bedingungen.

Während er noch seine Chancen berechnete, kam Flora auf das Dach gestürmt.

»Was willst du denn hier?«, entfuhr es Nik.

»Na, was wohl? Ein Sonnenbad nehmen natürlich!«

»Haha! Sehr witzig!«

Plötzlich waren Schritte auf der Treppe zu hören. Sie wurden verfolgt.

Nik rannte los und legte dicht an der Kante einen perfekten Absprung hin. Weit auf dem benachbarten Flachdach kam er auf, rappelte sich sofort hoch und sah sich um. Ihm fuhr der Schreck in die Glieder.

»Neiiin!!! Das schaffst du nicht!«, brüllte er, doch Flora war schon losgerannt.

Nik schloss die Augen und erwartete Floras Schrei. Da tippte ihm jemand auf die Schulter.

»Nicht gerade der passende Moment für ein Nickerchen, alter Junge!«

Nik sah eine grinsende Flora neben sich.

»Mund zu«, empfahl sie ihm, »sonst siehst du aus wie die beiden da drüben.«

Sie deutete auf zwei Uniformierte, die ungläubig vom Dach der Polizeiwache zu ihnen herüberglotzten. Nik folgte Flora, die eine Dachluke gefunden und aufgeklappt hatte und bereits verschwunden war.

Wenig später fanden sich die beiden im obersten Stockwerk eines Kaufhauses wieder. Sie hasteten in der Spielwarenabteilung an übergroßen Plastikpolizisten vorbei und durch die Süßwarenecke hindurch, wo ihnen trotz ihrer Eile das Wasser im Mund zusammenlief. Endlich erreichten sie den auf eine Fußgängerzone führenden Ausgang. Im dichten Gewühl der Passanten tauchten sie endgültig unter.

Ein paar Straßen weiter setzten sie sich zum Verschnaufen auf das Geländer eines U-Bahnhofabgangs. »Das war bodenlos leichtsinnig!«, stieß Nik endlich unerwartet heftig hervor. »Völlig bescheuert, du hättest zu Tode stürzen können. Und alles nur aus Schiss vor ein bisschen Knast.«

»Musst du gerade sagen!«, konterte Flora.

»Ich kann nicht anders«, erklärte Nik und sprang vom Geländer. »Und ich will dich nicht weiter in Gefahr bringen, also ...«

Flora ließ sich ebenfalls vom Geländer rutschen. »Jetzt sag nicht, du willst schon wieder abhauen? Der obercoole einsame Cowboy, gähn! Die Nummer kannst du woanders abziehen.«

Das Mädchen hatte sich vor Nik aufgebaut und die Hände in die Hüften gestemmt. Nik zuckte mit den Schultern. »Ich muss den wahren Täter finden, sonst bin ich vorbestraft. Und ich will doch zum BKA.«

»Du? Na, dann zeig doch mal, was du so draufhast, und hilf mir, Isabelle wiederzufinden.«

»Hm, du meinst also wirklich, deine Freundin ist entführt worden? Oder hast du einfach zuviel vor der Glotze gehangen?«

»Mann, du taugst doch höchstens zum Nachtwächter.«

»Immer mit der Ruhe! Wenn deine Freundin wirklich entführt wurde ...« Nik ignorierte Floras genervten Blick und fuhr fort, »... wieso hat die Polizei dann nicht bei ihren Eltern nachgefragt?«

»Erstens sind die im Urlaub«, zuckte Flora mit den Achseln. »Und zweitens glauben mir die Bullen kein Wort, seitdem die rausgefunden haben, dass ich aus dem Heim abgehauen bin und auf der Straße lebe.«

»Du lebst wirklich auf der Straße?«, fragte Nik ungläubig nach.

Flora nickte, als sei das das Selbstverständlichste von der Welt.

»Und seitdem habe ich einen ziemlich sicheren Instinkt für komische Typen. Die beiden Dunkelmänner kamen mir gleich merkwürdig vor.«

»Dunkelmänner? Am besten du erzählst mir jetzt erst mal alles. Aber schön der Reihe nach. Und danach gehen wir den Tatort untersuchen.«

»Heißt das, du willst mir helfen?«, jubelte Flora, sprang auf und drückte dem überraschten Jungen einen Kuss auf die Wange.

Die Entführer kehren zurück

Der kleine Sportflughafen vor den Toren Hamburgs bestand eigentlich nur aus einer holprigen Rasenpiste, ein paar Wellblechhangars und einem Minitower. Trotzdem galten auch hier die üblichen Sicherheitsvorschriften. Borsow hatte es einige Mühe gekostet, von dem verschlafenen Fluglotsen die Erlaubnis für einen Nachtstart zu bekommen. Er saß hinter dem Steuerknüppel der Canadair und wollte gerade die Motoren anlassen, da schnallte sich sein Kollege Lopez auf dem Co-Pilotensitz plötzlich wieder ab.

»Mein Gott, hättest du nicht vorher gehen können, du Dödel«, beschwerte sich Borsow. »Du hast echt eine Blase wie ein Sechsjähriger.«

»Laber nicht so'n Stuss, du Russen-Ei«, pflaumte Lopez zurück, während er hektisch die Taschen seines Anzugs abklopfte. »Scheiße, mein Organizer!«

»Na und? Was ist damit?«

»Er ist nicht da! Weg!«

»Musst du halt mal ohne dein Spielzeug auskommen, Kleiner«, erwiderte Borsow und streckte die Hand nach dem Starterknopf aus.

»Pfoten weg, Genosse«, kommandierte Lopez scharf. »Ohne meinen Organizer fliegen wir nicht.«

»Na, dann überleg mal schnell, wo der sein könnte! Du kannst dir vorstellen, wie der Boss reagiert, wenn wir die Kleine verspätet abliefern!«, rief Borsow und sprang aus dem Flieger.

»Hm, ich hab mein Pickset nicht dabei«, überlegte Nick, als sie vor dem Mietshaus standen, in dem Isabelle wohnte.

»Was ist denn ein Pickset?«

»Damit kann man jedes Schloss knacken.«

»Einbrecherbesteck? Ach nee, ich dachte du willst zur Polizei?!«

»Will ich auch. Und wie kommen wir jetzt rein?«

Statt einer Antwort drückte Flora ihre Handfläche auf das gesamte Klingeltableau. Dass es in etlichen Wohnungen gleichzeitig schellte, hörte man bis unten.

»Bist du jetzt komplett durchgeknallt?«, fuhr Nik sie an.

Überall ging Licht an und der Türöffner hörte gar nicht mehr auf zu summen.

»Treten Sie ein, Mr. Superhirn«, grinste Flora und hielt Nik die Tür auf

Sie schlüpften ins Haus und warteten im Kellerabgang, bis die Schimpfkanonade, die von den ärgerlichen Hausbewohnern abgeschossen wurde, sich gelegt hatte. Als das Treppenhauslicht verlosch, schlichen sie nach oben. Dann standen sie vor der verschlossenen Wohnungstür. »Hm, hier nutzt Klingeln nicht wirklich«, überlegte Flora.

»Am besten, wir nehmen einfach den Schlüssel.«

Nik war in die Knie gegangen, grabbelte unter der Fußmatte und wurde tatsächlich fündig.

»Ist doch immer das Gleiche. Die Leute haben einfach keine Phantasie«, sagte er kopfschüttelnd und schloss mit Isabelles Ersatzschlüssel auf.

Kaum waren sie drinnen, nahm Nik jedes Detail der Wohnung in sich auf

»Isabelle hat ihren Entführern nicht freiwillig geöffnet.«

»Woher willst du das wissen?«

Nik deutete stumm auf die herausgerissene Sicherheitskette und auf eine umgestoßene Zimmerpflanze. Flora nickte betroffen. Die beiden gingen weiter und stießen bald auf ein Zimmer, an dessen Tür ein Pferdeposter hing. »Das muss Isabelles Zimmer sein. Sie liebt Pferde.«

Nik schüttelte den Kopf, als er ein Buch vom Nachttisch neben der Schlafcouch hochhob. »Die Poincaré-Vermutung«, las er den Titel. »Eines der größten mathematischen Probleme überhaupt. Hat Isabelle eine ältere Schwester?«

»Das schon. Aber die hat nur Jungs im Kopf. Isabelle ist das Mathe-Ass in der Familie.«

»Aber Poincaré ist kompliziert, da habe selbst ich Probleme.«

»Na, das ist natürlich ein Argument«, spottete Flora.

Nik ging zurück in den Flur und kickte einen im Weg stehenden Sportschuh zur Seite. Ein kleines, rechteckiges Kästchen flog heraus.

»Was hast du denn da?«, fragte Flora, die ungeduldig beobachtete, wie Nik das Teil untersuchte.

»Einen Organizer. Ziemlich kostspieliges Teil. Vielleicht von Isabelles Eltern?«

»Nee, glaub ich nicht. Isabelle hat lange für einen PC gespart, weil ihre Eltern nur so eine ganz alte Kiste haben, die alle drei Sekunden abstürzt.«

»Dann müssen es die Entführer verloren haben«, folgerte Nik, der es inzwischen geschafft hatte, das Ding einzuschalten.

»Und? Was steht drin?«

»Hey, sogar ein Mindcracker wie ich braucht ein bisschen Zeit, um das Passwort zu knacken«, grinste Nik, bevor er seine ganze Konzentration auf das Display richtete.

»Mindcracker? Was meinst du damit?«

»Mein Spitzname«, antwortete Nik. In rasender Geschwindigkeit kombinierte und probierte er. »Geschafft«, atmete er auf »Mal sehen, was das ist.«

Er öffnete ein mit urgent betiteltes File. Projekt BS. Tosca Vanderbild, École Internationale, Genf erschien auf dem Display. »... Hm. Was mag das bedeuten?«, fragte sich Nik, der sich keinen Reim auf die Abkürzung machen konnte.

Plötzlich krallte Flora die Finger in Niks Schulter und löschte das Licht.

»Still, da ist jemand an der Tür«, hauchte sie aufgeregt dicht an seinem Ohr.

Jetzt hörte Nik es auch. Von außen wurde etwas Metallenes in den Schließzylinder geschoben, nach einem kurzem Ruckeln aber wieder hinausgezogen. Wenige Sekunden später der nächste Versuch.

Nik schaltete das Gerät ab und steckte es zurück in den Schuh. Dann öffnete er den Flurschrank und winkte Flora hinein. Das Schließen der Schranktür fiel mit dem Aufgehen der Wohnungstür zusammen.

Lopez fühlte sich offensichtlich vollkommen sicher. Er machte Licht und blickte sich suchend im Flur um. Bald entdeckte er seinen Organizer im Schuh und bückte sich. Nik beobachtete ihn, während Flora eine dicke Spinne im Visier hatte, die direkt vor ihrem Gesicht rumturnte. Sie wich zurück und stieß gegen die vielen leeren Kleiderbügel, die Jasmins Eltern zurückgelassen hatten.

Lopez fuhr herum, als habe ihm jemand in den Hintern getreten. Mit einer schnellen, geschmeidigen Bewegung riss er sein Kukri unter der Jacke hervor. Das gebogene Kampfmesser der legendären Gurkhas, die in der britischen Armee als Elitesoldaten Dienst taten, war eine tödliche Hieb- und Stichwaffe, aber auch als Wurfmesser einsetzbar.

Entschlossen näherte sich Lopez dem Schrank, aber dann entdeckte er auf dem Fenstersims eine Taube, die mit den Flügeln schlug. Daher das Geräusch! Schnell rotierte er dreimal im Kreis, um die richtige Abwurfgeschwindigkeit zu erreichen. Doch im letzten Moment befand er, dass die Taube kein ernstzunehmender Feind sei, zumal auch eine Fensterscheibe im Weg war, steckte das Kukri wieder ein und verließ die Wohnung.

»Schnell, wir müssen an ihm dranbleiben«, rief Nik und stolperte aus dem Schrank. »Wenn wir Glück haben, führt uns der Typ direkt zu Isabelle.«

Als sie aus dem Haus eilten, hielt gerade ein Streifenwagen davor. Obwohl Flora und Nik sofort in einen unauffälligen Schlenderschritt verfielen, wurden die Beamten aufmerksam. »He, ihr da! Bleibt stehen!«, riefen sie.

Das war für Nik und Flora die Aufforderung zum Rennen. Sofort hörten sie hinter sich das Martinshorn aufjaulen.

Lopez, der nicht weit vor ihnen lief, erreichte den Lieferwagen und wurde von Borsow recht unfreundlich begrüßt: »Was wollen die Bullen hier?«

Lopez stieg ein und sah sich hastig um. Er erkannte, dass die Polizei nicht hinter ihm, sondern hinter den beiden Jugendlichen her war. »Nichts von uns«, erklärte er.

Der Junge war ihm unbekannt, an das Mädchen erinnerte er sich jedoch ganz genau. Als Zeugin der Entführung konnte sie gefährlich werden. Er ärgerte sich, dass er sie nicht gleich ausgeschaltet hatte. Aber vielleicht war es noch nicht zu spät. Er packte den Griff des Kukri fester, als Borsow sein Vorhaben erriet und blaffte: »Dann kannst du die Bullen auch gleich zum Mitfahren einladen!«

Lopez sah Borsow verblüfft an. Der schien tatsächlich ausnahmsweise etwas Intelligentes gesagt zu haben. Aber wahrscheinlich war das purer Zufall gewesen, tröstete sich Lopez, während er den Motor startete und aus der Parklücke scherte.

Blinde Passagiere

Nik und Flora hatten gesehen, wie Lopez in den Lieferwagen gestiegen war. Weil ihnen aber die Polizei dicht auf den Fersen war, mussten sie zunächst an ihre eigene Flucht denken. Und sie hatten Glück Rechts ging eine Spielstraße ab, die für den Autoverkehr gesperrt war. Sie rasten zwischen den Betonpollern durch und hatten den Streifenwagen erst mal abgehängt. Doch dann stieg einer der Beamten aus und rannte ihnen hinterher. Natürlich war er viel zu langsam und so gelang es den beiden hinter einer Kurve, unbemerkt hinter einem Müllcontainer abzutauchen. Ihr Verfolger spurtete ungebremst vorbei. Ein Etappensieg, aber Nik war klar, dass sie schleunigst verschwinden mussten.

»Sein Kollege hat bestimmt schon über Funk Verstärkung angefordert. Bald wird es hier im Viertel vor Streifenwagen nur so wimmeln«, flüsterte er Flora zu. »Wir sollten uns irgendwo ein sicheres Versteck suchen und abwarten, bis die Luft wieder rein ist.«

Flora nickte und deutete auf eine Hofeinfahrt.

»Dort findet uns so schnell niemand.«

Der triste Garagenhof, der sich hinter dem Durchgang auftat, bot allerdings keinerlei Möglichkeit sich zu verstecken. Zu allem Überfluss waren plötzlich wieder die trappelnden Schritte des Polizisten zu hören, der zurückgerannt kam. »Schnell, auf die Garagen!«, raunte Nik.

Er hielt Flora seine Hände als Räuberleiter hin. Das Mädchen kapierte sofort und war kurz darauf oben. Nik zog sich geschmeidig selbst aufs Dach. Dann beobachteten sie mit angehaltenem Atem in Bauchlage, wie der Polizist auf den Hof kam und sich umsah. Langsam schritt er das Garagenkarree ab. Immer wieder sprang er hoch, um auf die Dächer zu sehen. Nik und Flora robbten geräuschlos rückwärts und ließen sich auf der anderen Garagenseite hinab.

Sie waren auf einen großen, trotz der späten Stunde recht belebten Hof gelangt. Spedition Richter las Nik auf einem Schild über den hell erleuchteten Bürofenstern. Gabelstapler fuhren hin und her und hoben Paletten auf Lkws. Ein bereits beladener Dreißigtonner rollte gerade mit ziemlichem Getöse vom Hof

»Hier sind wir erst mal sicher«, stellte Nik fest und setzte sich auf eine Kiste.

»Das schon«, seufzte Flora und ließ sich neben ihm nieder. »Aber wir haben die einzige Spur zu Isabelle verloren.«

»Vielleicht auch nicht. Sagt dir der Name Tosca Vanderbild was?«

Flora schüttelte den Kopf »Nie gehört.«

»Der war im Urgent-Ordner des Minicomputers ganz oben notiert. Offensichtlich besucht sie die École Internationale in Genf«

»Vielleicht haben wir es mit einem Mädchenhändlerring zu tun, und diese Tosca soll als Nächste entführt werden«, dachte Flora laut nach.

»Oder sie steht in irgendeiner Beziehung zu Isabelle«, meinte Nik.

»Egal! Auf jeden Fall müssen wir mit dieser Tosca schnellstens Kontakt aufnehmen. Auf nach Genf!«, gab Flora als Losung aus und drehte sich um.

Nik starrte ihr einen Moment hinterher, bevor er ihr folgte. Als sich ein Gabelstapler von links näherte, musste er hinter einem Palettenstapel in Deckung gehen. Als er sich wieder hervorwagte, war Flora verschwunden.

Auch das noch!

»Komm, schnell, wir haben Glück, der Brummi da hinten fährt tatsächlich nach Genf, ich hab's genau gehört«, sagte plötzlich eine Stimme neben ihm. Flora deutete auf einen Lkw.

Der Fahrer stand am Führerhaus und diskutierte mit dem Disponenten über irgendwelche Ladepapiere. Die Gelegenheit war günstig. Flora huschte sofort zum Auflieger, löste ein paar Schlaufen der Plane und war oben, noch ehe Nik reagieren konnte. Flora winkte ihm heftig. Nik spurtete los.

Der Anhänger war voll mit Kartons. Kaum hatten sie es sich dazwischen bequem gemacht, ging die Fahrt auch schon los.

»Noch Fragen?«, grinste Flora, gähnte demonstrativ und legte sich zurück. »Ich mach mal ein Nickerchen. Du kannst mich ja wecken, wenn wir in Genf sind.«

Kurz darauf war sie tatsächlich eingeschlafen. Nik sah sich um. Wenn jemand die Fracht kontrollieren würde, könnten sie sich prima zwischen den Kartons verstecken. Er ärgerte sich, dass er nicht auf diese Idee gekommen war. Aber es war auch ein schönes Gefühl, jemanden an seiner Seite zu haben, auf den man sich verlassen konnte, dachte er fast ein wenig verwundert, ehe auch er einschlief.

Irgendwas hatte Nik geweckt. Er richtete sich auf und schob die Lkw-Plane ein wenig zur Seite. Sie waren auf der Autobahn, und die war von Straßenlampen hell erleuchtet. Merkwürdig, das gab's in Deutschland nicht, wunderte er sich, so was kannte er nur aus Belgien. Ihm kam ein schlimmer Verdacht.

Tristar-Automotive, Goudenleeuwplein 35, Gent, België, las er die Lieferadresse von einem Karton ab. Das durfte einfach nicht wahr sein!

Er warf einen genervten Blick auf die selig schlummernde Flora, dann weckte er sie unsanft.

»Aufwachen, wir fahren nach Gent!«

»Weiß ich«, murmelte Flora schlaftrunken.

»Mensch Flora, kapierst du denn nicht? GENT! Mit T, wie toof, tumm, trottelig! Drittgrößte Stadt Belgiens mit 156,18 m2, Provinz Ostflandern, 237000 Einwohner, geographische Lage 51,3 Grad Nord und 3,43 Grad Ost ...«, spulte Nik aus seinem photographischen Gedächtnis ab, in dem sein Geographiebuch komplett gespeichert war.

Flora stoppte ihn mit einer Handbewegung: »Brrrrr, Brauner! Jetzt mal ganz ruhig. Du meinst, wir sind auf dem falschen Dampfer?«

»Wenn sie die Schweiz gestern nicht nach Belgien verlegt haben, dann schon«, ätzte Nik.

Flora zuckte die Achseln: »Oh, sorry, da habe ich mich vorhin wohl verhört.«

»Du machst es dir ja verdammt einfach. Mein Gott, so blöd kann man doch gar nicht sein!«

»Ach nee, Mr. Mindcracker macht natürlich nie einen Fehler«, parierte Flora ironisch und setzte eine beleidigte Miene auf.

Nik hatte schon den Mund geöffnet, um weiter zu streiten, als der Laster sich plötzlich rapide verlangsamte. Nik spähte unter der Plane hindurch.

»Wir fahren auf einen Rastplatz.«

Einige Augenblicke später pfiffen die Luftdruckbremsen und der Lkw hielt. Die Fahrertür wurde zugeschlagen.

»Er geht was essen«, flüsterte Nik, der den auf das Rastplatzrestaurant zustrebenden Fahrer beobachtete.

»Dann los, runter von der Karre«, meinte Flora. »Mit ein bisschen Glück erwischen wir vielleicht hier eine Fuhre in die Schweiz.«

»Aber diesmal suche ich den Lkw aus«, knurrte Nik, während er hinter Flora hinabkletterte.

Sie hatten kein Glück und die ohnehin schon ziemlich miese Stimmung sank auf den Nullpunkt. Beide waren müde und hungrig, und die Aussicht, auf einem öden Rastplatz im Freien zu übernachten, heiterte sie auch nicht gerade auf. Niks Blick fiel auf ein Ehepaar, das auf Campingstühlen vor ihrem Wohnwagengespann saß und eine Kaffeepause machte.

»Möchtest du noch einen Schümli, Schatz?! Wir haben noch eine lange Fahrt vor uns!«, sagte die Frau.

Als Nik ihren Dialekt hörte, hätte er fast laut aufgejubelt. Das war Schwyzerdütsch! Er bedeutete Flora zu warten, schlich sich an den Wohnwagen an und lauschte. Dem Gespräch entnahm er, dass die beiden auf der Rückreise waren. Klasse! Jetzt mussten sie nur noch unbemerkt in den Wohnwagen kommen. Gerade als er Flora das Problem auseinandergesetzt hatte, machte sich die Schweizerin zum Toilettenhäuschen auf, während ihr Mann nach vorn zum Wagen ging, die Motorhaube öffnete und den Ölstand kontrollierte.

»Jetzt oder nie!«, zischte Nik und spurtete los.

Flora sprintete hinter Nik her, der durch die offen stehende Wohnwagentür verschwand. Kaum war sie in den Caravan gesprungen, wies Nik stumm auf den Klapptisch im linken Teil des Wohnwagens. Sie krabbelten darunter. Keinen Moment zu früh. Nik hörte, wie jemand den Wohnwagen betrat. Flora brach der Angstschweiß aus. Doch der Mann legte nur die zusammengeklappten Campingstühle ab und bemerkte die blinden Passagiere nicht. Die Wohnwagentür schlug zu und Sekunden später setzte sich das Gefährt in Bewegung. Nik tat einen tiefen Erleichterungsseufzer.

Nach einem Weilchen krabbelten Flora und Nik aus ihrem Versteck. Während Nik sich auf eine der Polsterbänke am Tisch setzte, öffnete Flora den kleinen Campingkühlschrank unter der Spüle, stellte eine Tüte Milch Brot, Käse und Butter auf den Tisch. »Die Verpflegungslage ist jedenfalls ausgezeichnet. Junge, habe ich einen Hunger.«

Beide griffen zu und ließen es sich schmecken. »Sag mal, was ist eigentlich mit deinen Eltern, vermissen die dich nicht langsam?«, wollte Flora wissen.

Nik schüttelte den Kopf: »Sie sind beide tot. Ich lebe in einer Wohngruppe.«

»Oh, entschuldige, das wusste ich nicht«, sagte Flora mit Anteilnahme. »Und ich dachte immer, mich hätte es hart getroffen.«

»Fehlen dir deine Eltern?«

»Manchmal«, zuckte Flora mit den Achseln. »Hauptsache, ich bin nicht mehr im Heim. Aber sag mal, hast du eine Ahnung, wo die beiden genau hinwollen?«, fragte sie und deutete mit dem Kopf nach vorne.

»Wir haben Glück. Sie wohnen in Genf, und der Mann will die Nacht durchfahren. Hat er vorhin zumindest zu seiner Frau gesagt.«

»Volltreffer!«, freute sich Flora und streckte sich auf der Bank aus. »Was meinst du, wie lang die Fahrtzeit ist?«

Nik sah auf seine Uhr und begann, vor sich hin murmelnd zu rechnen: »Wir sind gegen halb zwölf in Hamburg gestartet ... eine halbe Stunde waren wir auf dem Rastplatz ... hm ... bis nach Genf sind es ungefähr tausend Kilometer, bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von achtzig Stundenkilometern müssten wir also ziemlich genau um halb eins in Genf sein.«

»Junge, Junge, wer so gut rechnen kann, muss doch Stunden über den Schulbüchern hocken und büffeln«, sagte Flora beeindruckt. »Aber wie ein Streber siehst du eigentlich gar nicht aus.«

Nik hatte plötzlich das Bedürfnis, mehr als sonst üblich von sich preiszugeben. Er mochte Floras offene Art, und deshalb wollte er ehrlich sein. Wenn sie Freunde sein wollten, musste sie ihn kennen, so wie er wirklich war. Und so erzählte Nik von seiner Hochbegabung und welche Schwierigkeiten er oft damit hatte.

Flora hörte gespannt zu. Sie unterbrach ihn kein einziges Mal und zweifelte nicht einen Moment an Niks Worten. Das war keine plumpe Angeberei. Der Name Mindcracker passte zu ihm wie die Faust aufs Auge. Einen solchen Jungen hatte sie noch nie kennengelernt und plötzlich merkte sie, dass sie unheimlich froh darüber war, dass sie gerade ihn getroffen hatte.

Tosca Vanderbild

Das Wohnwagengespann holperte über einen Bordstein und hielt dann an. Nik fuhr aus dem Tiefschlaf hoch. Draußen stand die Sonne bereits hoch am Himmel. Erschrocken sah er auf seine Uhr. Kurz vor eins. Sie hatten verpennt!

Vorsichtig schob er die Gardine beiseite und sah aus dem Fenster. Sie parkten in der Grundstückseinfahrt eines Einfamilienhauses. Der Mann stand neben dem Wagen und streckte sich gähnend, auch seine Frau schien hundemüde zu sein. Hoffentlich gingen die gleich ins Bett und packten erst am nächsten Morgen aus, schickte Nick ein Stoßgebet gen Himmel.

»Gehen wir schlafen, Schatz. Morgen ist auch noch ein Tag«, sagte die Frau und tätschelte ihrem Mann die Wange.

Erleichtert weckte Nik seine neue Freundin: »Schnell, Flora, wir sind schon in Genf und müssen schleunigst hier raus.«

»Wie konnte denn das passieren?«, wunderte sich Flora gähnend. »Du hast doch extra den Wecker gestellt, damit wir uns rechtzeitig vor der Grenze unter den Sitzbänken verstecken können.«

»Sorry, den habe ich wohl nicht gehört.«

»Du machst es dir ja verdammt einfach. So blöd kann man doch gar nicht sein!«, grinste Flora.

Nik grinste ebenfalls: »Sorry für meinen Ausraster gestern. War ein bisschen heftig.«

»Schon vergessen«, winkte Flora großzügig ab.

Sie brachten den Caravan wieder in seinen ursprünglichen Zustand und gelangten ungesehen von dem Grundstück. Das Wohngebiet, in dem sie sich befanden, lag in der Nähe des Stadtzentrums. Als sie einen belebten Platz erreichten, blieb Nik vor einem Informationskasten stehen und prägte sich mit einem Blick den darin ausgehängten Stadtplan ein.

»Warte mal kurz, ich frage eben bei einem Taxifahrer nach, an welcher Straße diese École Internationale liegt«, sagte er über die Schulter zu Flora und rannte zum Taxistand an der Ecke.

»Es ist ziemlich weit. Das Internat liegt direkt am Genfer See. Der Taxifahrer sagt, dass kein Bus dorthin fährt«, berichtete Nik kurz darauf.

So wanderten sie also durch die Villenviertel am See entlang. Irgendwann deutete Nik auf ein pfeilförmiges Schild mit der Aufschrift École Internationale.

»Jetzt haben wir es gleich geschafft!«

Sie bogen in eine schattige Allee ab und gelangten nach hundert Metern an ein weit geöffnetes, schmiedeeisernes Tor, das den Blick auf eine romantische Schlossanlage freigab. Im großzügig angelegten Park, der das Hauptgebäude umgab, hielten sich Schüler der unterschiedlichsten Nationalitäten auf Die Mädchen trugen weiße Blusen, blaue Pullunder, Faltenröcke und weiße Kniestrümpfe. Die Jungen waren mit einer schwarz-grauen Anzugkombination und Schlips ausstaffiert.

»Mein Gott, bin ich froh, dass ich nicht so rumlaufen muss«, entfuhr es Flora. »Die Jungs sehen aus wie Mr. Bean und die Mädels wie Hanni und Nanni!«

Hinter dem Park schlossen sich Tennisplätze und eine weitläufige Golfanlage an. Rechter Hand ging das Schulgelände bis zum Seeufer ab. Von einem Bootshaus führte ein Steg ins Wasser, an dem zahlreiche Segelboote vertäut waren.

»Aber alles nur vom Feinsten«, murmelte Nik.

»Wir zwei fallen hier jedenfalls auf wie Hänsel und Gretel beim Opernball«, meinte Flora. »Es wird nicht einfach werden, an diese Tosca ranzukommen.«

»Besuch dürfen die doch wohl empfangen. Wir fragen einfach im Sekretariat.«

Doch dann kam ihnen der Zufall zu Hilfe.

»Dein zweiter Verstoß gegen die Schulordnung in einer Woche, Tosca«, sagte eine Männerstimme hinter einer mannshohen Buchenhecke, während Flora und Nik zum Hauptgebäude liefen. »Wenn du dich noch einmal unerlaubt vom Gelände entfernst, droht dir ein Schulverweis.«

»Mein Make-up war alle«, antwortete eine entrüstete Mädchenstimme. »Da musste ich doch wohl in die Stadt, mir neues besorgen. Oder soll ich etwa ungeschminkt auf den Golfplatz?«

»Vielleicht sollte ich mal deinen Vater anrufen und fragen, was er von der Sache hält?!«

»Von mir aus«, kam es schnippisch zurück. »Daddy hat für so was ohnehin keine Zeit. Sein Büro wird einen großzügigen Scheck schicken und damit ist die Angelegenheit für alle Beteiligten erledigt.«

»Oh, nein, das glaube ich nicht«, antwortete die offenbar zu einem Lehrer gehörende Stimme, der der nur mühsam gezügelte Ärger anzuhören war. »Morgen beginnen die Ferien, und du willst doch zu ihm in die Staaten fliegen. Wenn ich deinem viel beschäftigten Vater erkläre, dass du aus pädagogischen Gründen besser hierbleiben solltest, ist er bestimmt einverstanden.«

Damit schien der Lehrer einen Wirkungstreffer gelandet zu haben, denn Toscas Stimme nahm plötzlich einen anderen Ton an.

»Okay, Sie haben recht. Ich gelobe Besserung. Sie brauchen Daddy nicht anzurufen. Nie mehr unerlaubte Ausflüge, versprochen!«

»Gut, Tosca. Aber mit Versprechungen ist es nicht getan. Zur Strafe für dein Fehlverhalten wirst du das Rasenstück hier mähen.«

»Waaaas? Ich?«, quietschte Tosca empört. »Ich soll den Rasen mähen? Das ist wohl eher was für einen Gärtner. Ich habe noch nie ...«

»Bis zur Teezeit solltest du fertig sein«, unterbrach der Lehrer die Tirade. »Sonst überlege ich es mir vielleicht doch noch anders.«

Nik und Flora kamen um das Ende der Hecke herum und sahen sich um. Unweit entfernt stand ein umwerfend hübsches Mädchen ratlos vor einem Handrasenmäher. Sie trug ebenfalls eine Schuluniform, wirkte darin aber wie ein Top-Model. Lag es an ihrem kunstvoll drapierten blonden Haar, ihren superschicken, hochhackigen Riemchenschuhen oder an ihrem makellosen Teint? Nik schien jedenfalls tief beeindruckt, was Flora nicht ohne geheimen Ärger registrierte.

In diesem Moment kam ein Junge auf Tosca zu und lächelte ihr schmachtend entgegen.

»Hi, Tosca. Es bleibt doch dabei, du bist heute Abend meine Partnerin beim Schuljahresabschlussball, oder?«

Tosca lächelte bedauernd zurück und meinte: »Eigentlich schon, José, aber Raoul hat mich auch gefragt. Wie soll ich mich denn jetzt entscheiden?«

»Aber du hast es mir versprochen«, rief José sichtlich bestürzt.

»Ich muss darüber nachdenken. Ich brauche Zeit, José! Wenn ich nur diesen bescheuerten Rasen nicht mähen müsste!«

»Ich mach das schon, Tosca. Ist ja auch wirklich keine Arbeit für ein Mädchen wie dich!«

»Eben«, nickte Tosca ironiefrei. »Bis nachher, José. Ich gehe solange eine Cola trinken!« José schnappte sich den Rasenmäher und legte sofort los. Flora verdrehte genervt die Augen. Was für eine Zicke! Dieser José musste ein Vakuum zwischen den Ohren haben, um auf diese durchsichtige Ausnutznummer anzuspringen. Aber dann sah sie, dass auch Nik ein wenig dümmlich grinste, als Tosca jetzt im perfekten Catwalk auf sie zukam.

»Tosca Vanderbild?«, sprach Nik sie an. »Wir kennen uns noch nicht, aber wir müssen unbedingt mit dir reden. Ich bin Nik, und das ist Flora.«

Tosca blieb verwundert stehen und musterte den Jungen von Kopf bis Fuß, während sie Flora völlig ignorierte. Was sie sah, schien ihr durchaus zu gefallen, denn sie setzte ein freundlich fragendes Lächeln auf.

»Hi, Nik!«, grüßte sie und blickte dann kritisch auf Flora. »Wie war noch mal dein Name, Aschenputtel?«

»Ich heiße Flora! Wusste gar nicht, dass man in deinem Alter schon an Alzheimer leiden kann.«

Bevor es richtig knallte, ging Nik dazwischen.

»Wir müssen reden, Tosca, du schwebst wahrscheinlich in großer Gefahr.«

Dafür hatte Tosca nur ein glockenhelles Lachen übrig. »Ich? Wohl eher ihr! Nämlich hochkant vom Gelände zu fliegen! Die Schulleitung sieht es überhaupt nicht gern, wenn die Kinder des Personals sich hier rumdrücken.«

Hochnäsig ließ sie die beiden stehen und ging auf eine Gruppe Schüler zu. Nik eilte ihr hinterher und packte sie am Arm.

Details

Seiten
185
Erscheinungsform
Neuausgabe
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783955206307
Dateigröße
1.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v309488
Schlagworte
eBooks Jugendbuch ab 12 Jahre für Jungen für Mädchen Spannung Thriller Agenten James Bond Anthony Horovitz Alex Rider

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Titel: Pakt mit dem Bösen - Niks erster Fall