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Danziger Liebesgeschichte

Roman

2015 48 Seiten

Leseprobe

Über dieses Buch:

Die Marienkirche sollen sie besuchen: Das ist der eindeutige Auftrag der Mutter, als sie Mann und Tochter auf eine gemeinsame Reise nach Danzig schickt. Außerdem sollen sie aufeinander aufpassen – denn Babs hat für ihre 14 Jahre zu viele Flausen im Kopf und ihr Vater liebt den Wein mehr, als gut für ihn wäre. Doch dann kommt es anders als geplant und die Marienkirche gerät immer mehr in Vergessenheit: Denn während der Vater das Angebot der einladenden Weinstuben in vollen Zügen genießt, bekommt Babs den ersten Kuss ihres Lebens! Und nicht nur diese Überraschung hält Danzig für sie bereit …

Der Klassiker endlich im eBook: Barbara Noacks autobiographischer Roman war bereits bei seinem Erscheinen ein großer Erfolg und hat auch heute nichts von seinem Charme verloren!

Über die Autorin:

Barbara Noack, geboren 1924, hat mit ihren fröhlichen und humorvollen Bestsellern deutsche Unterhaltungsgeschichte geschrieben. In einer Zeit, in der die Männer meist die Alleinverdiener waren, beschritt sie bereits ihren eigenen Weg als berufstätige und alleinerziehende Mutter. Diese Erfahrungen wie auch die Erlebnisse mit ihrem Sohn und dessen Freunden inspirierten sie zu vieler ihrer Geschichten.
Ihr erster Roman »Die Zürcher Verlobung« wurde zweimal verfilmt und besitzt noch heute Kultstatus. Auch die TV-Serien »Der Bastian« und »Drei sind einer zu viel«, deren Drehbücher die Autorin verfasste, brachen in Deutschland alle Rekorde und verhalfen Horst Janson und Jutta Speidel zu großer Popularität.

Barbara Noack veröffentlichte bei dotbooks bereits ihre Romane »Der Bastian«, »Danziger Liebesgeschichte«, »Drei sind einer zuviel«, »Brombeerzeit«, »Das Leuchten heller Sommernächte«, »Die Melodie des Glücks«, »So muss es wohl im Paradies gewesen sein«, »Jennys Geschichte«, »Der Duft von Sommer und Oliven«, »Der Zwillingsbruder«, »Das kommt davon, wenn man verreist«, »Auf einmal sind sie keine Kinder mehr«, »Was halten Sie vom Mondschein?«, »Valentine heißt man nicht«, »Der Traum eines Sommers« und »Eine Handvoll Glück« sowie »Ein Stück vom Leben«, die auch im Doppelband »Schwestern der Hoffnung« erhältlich sind. Auch bei dotbooks erschienen ihre Erzählbände »Flöhe hüten ist leichter«, »Eines Knaben Phantasie hat meistens schwarze Knie« und »Ferien sind schöner« sowie der Sammelband »Valentine heißt man nicht & Der Duft von Sommer und Oliven«.

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Überarbeitete eBook-Neuausgabe Dezember 2015

Copyright © der Originalausgabe 1964, Blanvalet Verlag GmbH, München

Copyright © der überarbeiteten Neuausgabe 2015 dotbooks GmbH, München

Alle Rechte vorbehalten. Das Werk darf – auch teilweise – nur mit Genehmigung des Verlages wiedergegeben werden.

Titelbildgestaltung: Nele Schütz Design unter Verwendung von shutterstock/Marcin Krzyzak

eBook-Herstellung: Open Publishing GmbH

ISBN 978-3-95824-487-0

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Barbara Noack

Danziger Liebesgeschichte

Roman

dotbooks.

In der Marienkirche waren Sie doch sicher auch?

Das war neulich auf einer Konfirmationsfeier in einem größeren, renommierten Etablissement in Mülheim an der Ruhr. Es saßen fast ausschließlich ehemalige Westpreußen zu Tisch, welche sich seit Jahrzehnten kannten und ihre Vergangenheit hochleben ließen. Überall dort an der Tafel, wo einer stumm vor sich hin aß und aß, handelte es sich um einen Deutschstämmigen, der seine Heimat noch besaß und darum nicht mitreden konnte. Manche kränkten sich darüber, zum Beispiel mein schräges Gegenüber, eine Dame, aus Kaiserswerth gebürtig. Ich konnte sie verstehen. Ich litt ja auch unter meinem verhinderten Mitteilungsbedürfnis. (Die gelungenen Feste sind bekanntlich diejenigen, auf denen man selbst am meisten geredet hat.)

Die Dame beugte sich einmal zu mir herüber so weit es ging – ihr Kopf lächelte über der Blumendekoration, ihrem gepreßten Tonfall merkte man die Tischkante an, die abweisend in ihren Magen drückte. Die Dame sagte: »Der verlorene deutsche Osten ist so en vogue geworden, finden Sie nicht? Jeder spricht drüber, jeder schreibt drüber – ich habe ihn erst so richtig kennengelernt, seitdem er weg ist.«

Und dann aß sie weiter Konfirmationstorte.

Man erzählte gerade von Maria Zabrowskis Hochzeit in der Marienkirche. Lieschen Krumrey – damals in rosa Organdy, heute in Rheinhausen ausreichend verwitwet – hatte Blumen gestreut. Ich sah Lieschen – am Tafelende sitzend – an und versuchte, sie mir in rosa Organdy vorzustellen. Und vergaß darüber völlig, daß ich auch nicht mehr in Knospe stand.

Mein Tischnachbar war ein steinalter, querknochiger Herr, den man allgemein Onkelchen nannte. Wenn ich Onkelchen betrachtete, so mußte ich zu der Erkenntnis kommen, daß für ihn der eigentliche Sinn dieses Zusammenseins christlichen Charakters darin bestand, so viel wie möglich von der gebotenen Feinkost und den Konditorwaren einzufahren, um wenigstens einen Bruchteil des Preises seines mitgebrachten Konfirmationspräsentes herauszuholen. Onkelchen mußte unheimlich futtern, schließlich hatte er von seiner Pension etwas Goldenes geschenkt – zwar innen hohl, aber immerhin achtzehnkarätig.

Ich hielt Ausschau nach dem einzigen Bekannten, den ich auf dieser Feier hatte. Es handelte sich dabei um meinen Mann, Patenonkel des Konfirmanden, welchen er seit der Taufe nicht mehr gesehen hatte. Er saß einen halben Kilometer Festtafel von mir entfernt. Er hätte so viel besser an ihr unteres Ende gepaßt als ich, denn erstens störte es ihn nicht so sehr wie mich, wenn er nicht zu Worte kam, und zweitens hatte er auch eine verlorene Vergangenheit. Mit welcher er allerdings reichlich praktisch verfuhr. Fürs Gewesene gibt der Kaufmann nichts, pflegte er zu sagen.

Onkelchen neben mir knabberte mit der Emsigkeit eines Eichhörnchens. Aber einmal, so gegen fünf Uhr nachmittags, beendete er die Nahrungsaufnahme mit einem elegant kaschierten Rülpser und wandte sich mir zu, erlöste mich aus meiner – weil nur-preußisch – Isolation, indem er das Wort an mich richtete.

»Die Jugend von heute hat nicht mehr die rechte Heimatliebe. Sie denkt zu international.«

Und ehe ich darauf antworten konnte, fragte er: »Sie sind Berlinerin?«

»Ja.«

»Vor 1914 hätten Sie Berlin kennen müssen! Kam öfter zu Turnieren rüber. Donnerwetter, war das ein Leben!«

»Im allgemeinen wirft man mir vor, daß ich die zwanziger Jahre versäumt habe«, sagte ich.

»Wann waren Sie denn jung?«

»Als es ganz mies war, jung zu sein. Im Kriege.«

»So – na ja.« Er guckte auf meinen Teller. »Schmeckt das?«

»Nußsahne«, sagte ich. »Furchtbar süß.«

Onkelchen überlegte und nahm dann doch von einer Bestellung beim Ober Abstand.

»Unser schönes Danzig haben Sie wohl nie kennengelernt?«

»Anfang des Krieges war ich mal da, von Zoppot aus«, sagte ich.

Meine Antwort schien ihm mehr Freude zu bereiten, als ich erwarten konnte. Onkelchen hatte in mir einen Menschen gefunden, der Danzig zwar kannte, aber nicht so gut wie seine Landsmannen am Tisch. Es lohnte, so meinte er, mir noch einmal alle Sehenswürdigkeiten seiner Heimatstadt in Erinnerung zu bringen und gleichzeitig seinem Altmännerheimweh durch Nennung liebgewesener Namen kleine Freuden zu verschaffen.

Er führte mich durch die Gassen der Rechtstadt über den Langen Markt, am Rathaus und Artushof vorbei, einmal um den Neptunsbrunnen herum zum Steffenschen Haus, durchs Grüne Tor an der Mottlau entlang, er führte durch stürmische Frühlingstage und klirrenden Dezember, durch Mondnächte und Eichendorffgedichte, und seine Seele spannte weit ihre Flügel aus, flog durch die stillen Lande, als flöge sie nach Haus.

Es wurde ungemein wehmütig zwischen Onkelchens aufgestützten Ellbogen. Ein Seufzer nach dem anderen kollerte auf seinen Kuchenteller. Seine Gedanken zogen indes allein weiter, ohne sich mir mitzuteilen. Und dann, an einem bestimmten Punkt angelangt, bekamen sie wieder Stimme.

»Ich kenne einen schönen Spruch«, sagte er. »Den habe ich mir mal im Jahre dreizehn notiert. Ganz unbekannter Dichter. Jean Paul. Haben Sie vielleicht noch nie von gehört. Aber was er gesagt hat, das hat ein Leben lang gestimmt.«

»Was hat er denn gesagt?«

Onkelchen zitierte:

»Der Mensch hat hier dritthalb Minuten, eine zu lächeln, eine zu seufzen – und eine halbe zu lieben, denn mitten in dieser Minute stirbt er. Aber das Grab ist nicht tief, es ist der leuchtende Fußtritt eines Engels, der uns sucht.«

»Mir hat er den Tritt in Danzig versetzt«, sagte ich. »Mir auch«, sagte Onkelchen und sah mich nachträglich verwundert an. »Wieso denn Ihnen?«

»Es war nun mal so.«

»Wo?« fragte er.

»Na, wo Fußtritte eben landen – auch die leuchtenden«, sagte ich.

»Ich meine – wo in Danzig?«

»Nicht in der Marienkirche«, sagte ich.

»Das konnte ich mir beinah denken. In unserer Marienkirche … Sie sind doch sicher drin gewesen?!« »Was glauben Sie, wo ich in Danzig alles war, sagte ich, nun auch zwischen aufgestützten Ellbogen.

– Und dabei habe ich mir geschworen, keine Erinnerungen zu schreiben!

»Zuerst gehen wir in die Marienkirche«

Ich war vierzehn Jahre alt.

Auf Fotos aus jener Zeit fällt vor allem die Welle auf. Sie reichte vom Scheitel bis zur Schulter und bedeckte in ruhendem Zustand ein Viertel des Gesichts. Die Augen suchten noch nach Idealen und blickten auf jedem der zeitgenössischen Abbild hoffnungsvoll. Dem Mund sah man bereits an, daß es auf die Dauer nicht gutgehen würde. Figur fand zwar schon statt, jedoch sie wuchs noch wild, genau wie die Sehnsüchte.

Meine Freunde nannten mich damals Babs. Mit schickem Ä. Mein Vater sagte »Mariechen« zu mir. Unter Mariechen verstand er eine ganz andere Tochter, als ich sein wollte. Mein Vater schätzte das Gediegene. Mariechen war gediegen. Ich, Babs, mit schickem Ä in der Mitte, war es nicht gern.

»Mariechen«, sagte er, als wir mit der Vorortbahn von Zoppot nach Danzig fuhren, »deine Mutter hat mir aufgeschrieben, was wir alles besichtigen müssen. Ein großes Programm, Mariechen !«

»Schickt sie uns wieder auf die Friedhöfe?« fragte ich. Meine Mutter, Häuptlings Frau, war leidenschaftliche Leserin von Grabinschriften und der festen Annahme, anderen ginge es ebenso.

Sie hatte zur Zeit die Maler im Haus und darum keine Zeit gehabt, uns auf die Reise nach Zoppot zu begleiten.

Meine Mutter hatte die Maler, und Häuptling und ich mußten zusehen, wie wir ohne ihre Vermittlung miteinander auskommen sollten.

Das war nicht so einfach, schließlich klaffte zwischen uns ein halbes Jahrhundert.

Für mich war Häuptling ein alter Herr mit überholten Ansichten. Für ihn war ich eine dumme Göre mit Flausen im Kopf und Lippenstift – »Wenn ich das Ding zu fassen kriege, fliegt es ins Klo! Merk dir das!« Außerdem sammelte ich Jazzplatten. Die gehörten natürlich auch ins Klo. Für Häuptling endete anständige Musik bei Richard Strauss.

Vor unserer Abreise hatte meine Mutter zu ihm gesagt: »Paß gut auf das Kind auf. Es ist brav, aber neugierig. Man kann nie wissen.« Zu mir hatte sie gesagt: »Paß gut auf deinen Vater auf, du weißt schon!«

Und nun paßten wir mit verheerendem Eifer und gerieten darüber zuweilen in ein Stadium, in dem wir uns gar nicht gut leiden mochten.

Häuptling mußte nüchtern bleiben und ich um neun Uhr abends ins Bett.

Da lag ich denn hellwach von links nach rechts auf zweifach gerolltem Kopfkissen und hörte hinter geöffneten Pensionsfenstern den Seewind und die Bäume und die Ausläufer des regen Zoppoter Nachtlebens vorüberrauschen. Bloß rauschen, sonst nichts, das heißt, zuweilen pfiff der Leutnant der Luftwaffe Jo Daniels die ersten Takte von »Some of these days« unter meinem Fenster.

Wir hatten seit elf Monaten ZweitenWeltkrieg. Bisher tat er noch nicht weh – wir siegten ja in einem fort und fort und … Ich litt nicht unter Krieg, sondern unterm Zujungsein. Zu jung im »eleganten Weltbad an der Ostsee« – wer weiß, wann jemals wieder!?

Jugend war ein Zwinger, an dessen Drahtverhau man sich die Nase sehnsüchtig wundschubbern durfte.

Auf Leutnant Daniels paßte in seinem Urlaub niemand auf. Er konnte, solange er wollte, durch die geblümten Kuranlagen schlendern und weiter bis zu den Strandkörben, in denen des Nachts noch viel mehr Leben stattfand als am Tage, allerdings ohne Schaufel und Förmchen.

Der Leutnant trank Manhattan an der Bar des Kasinohotels, während Peter Kreuder dazu etwas von Peter Kreuder spielte. Zum Beispiel Good-bye, Jonny, warst mein bester Freund, aber leider, aber leider …

Details

Seiten
48
Erscheinungsform
Neuausgabe
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783958244870
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v310749
Schlagworte
Frauenunterhaltung Frauensaga Familiensaga Liebesroman Bestseller-Autorin Romanze Zweiter Weltkrieg 20. Jahrhundert München ebooks

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Titel: Danziger Liebesgeschichte